Software – .computerisierung https://www.computerisierung.com Tue, 17 Mar 2020 16:24:08 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Martin Schmitt schließt erfolgreich seine Dissertation zur „Digitalisierung der Kreditwirtschaft“ ab https://www.computerisierung.com/?p=1153 https://www.computerisierung.com/?p=1153#respond Tue, 17 Mar 2020 16:22:46 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1153 Martin Schmitt hat am 16. März 2020 erfolgreich seine Dissertation „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Computereinsatz in den Sparkassen der Bundesrepublik und DDR, 1957-1991“ an der Universität Potsdam mit magna cum laude verteidigt. Die Betreuer_innen der Arbeit, Prof. Dr. Frank Bösch (ZZF Potsdam) und Martina Heßler (TU Darmstadt) hoben in ihren Gutachten die Pionierarbeit hervor, die Schmitt für die Erforschung der Geschichte der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft mit großer Akribie geleistet hat. Als Endnote bewerteten sie die Dissertation mit einem guten magna cum laude.

Martin Schmitt gelang es in seiner Dissertation, am Beispiel der Banken und Sparkassen den Verlauf breiterer Digitalisierungsprozesse in der deutschen Wirtschaft seit Mitte der 1950er-Jahre bis zur Wiedervereinigung aufzuzeigen. Er analysierte, warum Sparkassen in beiden deutschen Staaten Computer einsetzten und welche Veränderungen sich in Wechselwirkung von Computertechnik mit dem Bankbetrieb für Mitarbeiter_innen wie Kund_innen ergaben. Während Kreditinstitute anfangs noch mit dem Computereinsatz experimentierten, wurde er seit den 1970er-Jahren für sie unverzichtbar. Einen besonderen Wert legte Martin Schmitt auf Betrachtung von Software als neue Quellegattung, in der Programmierer_innen die Betriebsprozesse der Sparkassen abbildeten. In seiner vergleichend angelegten Studie zeigte Schmitt zudem auf, wie sich die Digitalisierungsprozesse in einem sozialistisch-planwirtschaftlichen und marktwirtschaftlich-kapitalistischen System unterschieden. In beiden deutschen Staaten war die Digitalisierung der Kreditwirtschaft keine lineare Erfolgsgeschichte, veränderte die Institute aber von Grund auf.

Während der Arbeit am Dissertationsprojekt war Martin Schmitt als Doktorand am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in Abteilung II, „Geschichte des Wirtschaftens“, sowie an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und der Technischen Universität Darmstadt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Seine Dissertation ist eines von vier Teilprojekten des von ZZF-Direktor Frank Bösch geleiteten Projekts „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und DDR“, das im Rahmen des „Leibniz-Wettbewerb“ in der Förderlinie „innovative Vorhaben“ eingeworben und 2014-2017 von der Leibniz-Gemeinschaft finanziert wurde.

Text und Bild: Martin Schmitt

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Neu erschienen: Martin Schmitt – The Code of Banking https://www.computerisierung.com/?p=720 https://www.computerisierung.com/?p=720#respond Mon, 12 Dec 2016 11:24:20 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=720 Oftmals werden wir auf Konferenzen gefragt, ob wir denn schon etwas aus dem Computerisierungs-Projekt veröffentlicht haben, auf dass man sich beziehen könne. Neben dem 2012 erschienen Heft in den Zeithistorischen Forschungen zur Geschichte der Informationsgesellschaft verweisen wir immer auf den programmatischen Artikel von Jürgen Danyel und Annette Schuhmann im Sammelband „Geteilte Geschichte„. Diese Woche kam nun ein weiterer Artikel hinzu, in dem unser Projektmitarbeiter Martin Schmitt den Schwerpunkt seiner Arbeit angeht: Software in Banken. Der Titel des Artikels lautet: „The Code of Banking. Software as the Digitalization of German Savings Banks

In dem Artikel stellt er die These auf, dass deutsche Banken in den 1970er-Jahren zunehmend begannen, ihre Arbeitsprozesse, Abläufe, Einlagen und Organisationsmuster in Software abzubilden. Die bei der Erstellung auftretenden Herausforderungen und die Konsequenzen der Abbildung der Bank in Software stehen daher im Mittelpunkt des bei Springer erschienen Artikels. Er wurde im Rahmen der Konferenz der IFIP Working Group 9.7 im April 2016 in New York. Hier ein Auszug aus dem Abstract:

To the present day the history of banking software is nearly untold. While there is already some literature on the use of computers in the banking industry, most of it focuses only on the hardware and its restrictions (cf. Cortada 2006). The logic behind these machines remains untold. With the advent of the computer as a universal machine since the 1950s, business processes have been written into code, not hard wired into the machine. Furthermore, not the processor but the system software steered what was presented on the screen to the banking employee. Hardware got more and more exchangeable, while the real guiding principles of computing in action are to be found in software. This article analyzes how German savings banks used software to digitalize their business during the period of the Cold War.

Grafik: Terminalbefehl des Datensammelsystems der DDR; Titelbild des Bandes „International communities of invention and innovation“, © Springer 2016.

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Die Zukunft der Digitalgeschichte https://www.computerisierung.com/?p=615 https://www.computerisierung.com/?p=615#respond Mon, 13 Jun 2016 12:56:40 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=615 Wohin entwickelt sich die history of computing? Und welche Rolle spielt dabei die Anfangszeit des Digitalen Zeitalters? Diese Frage stand im Zentrum eines kleinen Workshops in Siegen am vergangenen Wochenende (10.-12. Juni 2016). Organisiert von Thomas Haigh kamen hier Historiker/innen, Medienwissenschaftler/innen und Informatiker/innen aus ganz Europa zusammen, um über „Beyond ENIAC. Early Digital Platforms and Practices“ zu diskutieren. 

Der Medienwissenschaft der Universität Siegen gelang es zuletzt, einen umfangreichen Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ bei der  DFG einzuwerben. Im Rahmen dessen konnte Thomas Haigh, Wirtschaftshistoriker und einer der prominentesten Figuren der history of computing, als Comenius-Gastprofessor gewonnen werden, der diesen Workshop organisierte. In seinem Auftaktstatement stellte er die Frage, wo genau die Digitalgeschichte („history of computing“) zu verorten sei und welche Zukunft für sie anzustreben sei. Digitalgeschichte sei dabei nicht zerrissen zwischen Medienwissenschaft, Technikgeschichte und Informatik, sondern vielmehr ein Bindeglied zwischen diesen Disziplinen. Mit ihr werde es möglich, Wissenschaftler der einzelnen Fachrichtungen miteinander sprechen zu lassen – wofür der Workshop der beste Beweis war. Von den frühen Computerprojekten wie ENIAC und Colossus über die Identitätsbildung der Programmierer in Europa oder der Sowjetunion bis hin zum Einfluss der minimalistischen Logik auf die Architektur früher Maschinen reichte das Themenspektrum, das dem Programm des Workshops zu entnehmen ist. An dieser Stelle sollen nur drei Vorträge heraus gegriffen werden, die aus der Perspektive des Computerisierungs-Projektes mit Schwerpunkt auf der gesellschaftlichen Nutzung und den Veränderung der Computertechnologie als besonders interessant eingeschätzt werden.
Mark Priestly zeigt den "Master Progammer" im ENIAC

Mark Priestly zeigt den „Master Progammer“ im ENIAC auf dem Workshop Early Digital in Siegen. (Martin Schmitt)

Selbst wenn der Workshop relativ offen zum Thema #earlydigital ausgeschrieben wurde, so waren doch deutliche Interessenschwerpunkte der anwesenden Wissenschaftler erkennbar. Einer dieser Schwerpunkte war die Frage nach den frühen Arbeitern und Nutzern, welche die Computer bauten und einsetzten. Wie wurden sie ausgebildet, was für ein Selbstverständnis bildeten sie aus? Thomas Haigh und Mark Priestley machten dazu einen Aufschlag, indem sie angelehnt an ihr neustes Buch zur Geschichte des ENIAC nach dessen „Lost Labors“ fragten. Der ENIAC, entwickelt und gebaut von 1942 – 1946 in den USA, war einer der ersten speicher-programmierten Rechner und entscheidend für die weitere Computerentwicklung. Haigh und Priestly zeigten gestützt auf Archivmaterial auf, wie nicht nur die berühmten „sechs Frauen“ des ENIAC diesen programmierten, sondern auch eine beachtliche Zahl derjenigen Ingenieure Frauen waren, die ihn zusammensetzten und aufbauten. Oder anders gesagt: Es reiche nicht, die bisherige Computergeschichte von den großen Männern und ihren Maschinen um einige wenige große Frauen zu ergänzen. Viel entscheidender ist es aufzuzeigen, wie Frauen von Beginn an gleichermaßen in Aufbau und Nutzung der Computer integriert waren und somit maßgeblich zu Computerisierung der Gesellschaft beitrugen. So stellt sich die Frage, wie ein Computer und seine Entstehung über die Zeit erinnert wird – und wann. Beispielsweise erinnerten die Zeitgenossen den ENIAC in den 1960er-Jahren hauptsächlich als groß und klobig. Gleichzeitig feierten spätere Historiker ihn hauptsächlich als Meilenstein auf dem Weg zum modernen Computer, vernachlässigten dabei aber, wie der Computer zum Einsatz kam.  Er wurde als Konzept erinnert, nicht als arbeitende Maschine. Die Software des ENIAC wurde vergessen, obwohl der Computer selbst berühmt wurde. Ganz entscheidend zu seiner Berühmtheit trug eine organisierte Öffentlichkeitsarbeit bei. So wurden Journalisten bereits zwei Wochen vor der eigentlichen, feierlichen Inbetriebnahme in die Computerräume eingeladen. Nur so schaffte es der ENIAC 1946 auf das Titelcover der New York Times. Die Bedeutung öffentlicher Ereignisse und Publizität zeigte sich auch in anderen Computerprojekten. Der britische Colossus Computer war lange Zeit der Geheimhaltung unterlegen und daher wenig erinnert. Aber auch in Deutschland lässt sich das Phänomen betrachten, wie historische Faktizität durch Großveranstaltungen zu schaffen versucht wird, wenn in Berlin kürzlich der Zuse Z3 völlig unhinterfragt zum ersten Computer ausgerufen wurde.

Eine vergleichbare Fragestellung trieb dabei Ksenia Tatarchenko um, die an der Universität Genf Sowjetische Geschichte lehrt. Wie konnte sich in einem Berufsfeld der Programmier/innen, das in der Sowjetunion von Frauen geprägt war, ein dominantes männliches Rollenbild durchsetzen? An Hand der Programmierergruppe um den Informatiker Andrej Petrowitsch Erschow  und seinen Kontakten mit westlichen Wissenschaftler zeigte sie die offene Welt des Kalten Krieges in Zeiten geschlossener Welten. Gerade in den Westkontakten, so Tatarchenko, reproduzierte sich das männliche dominierte Bild des Programmierers. Sie verstärkten das durch Erschow als Gruppenleiter geprägte männliche Rollenverständis in Sowjetunion ab dem Moment, ab dem der Beruf des Programmierers auch für die männliche Arbeiterschaft zu einer lukrativen Position wurde und Vorbilder suchten. Abschließend ist festzuhalten, dass an den Ausführungen Tatarchenkos ein sozialistischer Weg in das Informationszeitalter sichtbar wird, der keine Alternativgeschichte darstellt, sondern eine stark mit westlichen Entwicklungen verzweigt war. Dies ist eine Erkenntnis, die sich auch in den Projekten unserer Projektgruppe widerspiegeln.

Die Ergebnisse der Programmierer/innen war Software. Die ganz verschiedenen Arten der Software, die dabei geschaffen wurden, durchzogen auch den Workshop in Siegen. So begann der Samstagmorgen mit einer Roundtable-Diskussion über die Ursprünge der Betriebssysteme. Maarten Bullynck von der Universität Paris stellte einige einleitende Fragen: Was ist überhaupt ein Betriebssystem? Es gäbe zahlreiche Kandidaten, die in diesen Kreis gezählt werden könnten wie LINUS, DOS oder OS/360, aber was qualifiziert diese Systeme eigentlich als Betriebssysteme? Welche Teile davon sind noch Betriebssystem, welche bereits Applikation? So stellt er fest, dass der Begriff unschärfer ist, als es die meisten Wissenschaftler annehmen. Vor allem in Bezug auf die Anfangsjahre des Digitalen Zeitalters. Weiterhin fragt er, was denn fehle in der Geschichte der Betriebssysteme, wie sie bisher geschrieben wurde. Hier fielen ihm besonders der Mangel an Komplexität und das Fehlen des Nutzers auf. Zwar habe jeder Entwickler immer einen antizipierten Nutzer im Kopf. Gerade die Nutzung in einer Ko-Konstruktion der Technologie sei aber entscheidend für die Entstehung der Betriebssysteme in ihrer heutigen Form gewesen. Jenseits der Forschungen zu Xerox Park fehlte es hier noch an historischen Analysen. Der Niederländer Historiker Gerard Alberts hob hervor, dass ein Betriebssystem hauptsächlich das automatisiere, was zuvor Menschen getan hätten, genauer gesagt  die Operatoren. Das Betriebssystem übernehme die Hausarbeiten der Systeme und entlaste den Nutzer von wiederkehrenden, grundlegenden Routineaufgaben. Angelehnt an Maarten Bullynck wies er auf die niederländische Verwendung des Wortes „Komplex“ hin, die für das Betriebssystem benutzt wurde. Betriebssysteme seien ein „Meta-“ oder „Super-„Programme, aber er ziehen den Begriff Komplex vor, da er auf die unterschiedlichen Elemente hinweist, die sich im Betriebssystem vereinigen. Auch Pierre Monier-Kuhn, Digitalhistoriker Frankreichs seit über 20 Jahren, wies auf die Unterschiedlichen Begriffe hin, die in den 1960er-Jahren in Frankreich mit dem heute ubiquitären „Operating System“ konkurrierten: monitor, supervisor, software de base. Auch in Deutschland, , so ist hier anzufügen, wurde lange der Begriff „Basissoftware“ verwendet, beispielsweise in den Sparkassen der Bundesrepublik und der DDR in ihrem Einsatz von Software.

Im Zentrum der öffentlichen Keynote von Martin Campbell-Kelly, wohl einem der bekanntesten Digitalhistoriker, stand ebenfalls das Thema Software. Anhand früher Programme des EDSAC, einem der drei ersten britischen Computerprojekte, führte er vor, wie auch Historiker Code als Quelle begreifen können. In akribischer Kleinarbeit analysierte er die Ursprünge der ersten Programme und wie diese den Programmierstil späterer Generationen bestimmten. So lassen sich die Notation Maurice Wilkes, eines frühen Computeringenieurs, später nicht nur in Handbüchern der IBM wiederfinden, sondern auch in den Publikationen John von Neumanns. Auf einem Emulator ließ er den Code Wilkes ausführen und erzielte nach mehreren Durchläufen die ursprünglichen Ergebnisse. Dadurch erhielt er Einblick in die Denkwelten und in die Probleme, vor denen Programmier/innen standen. Eine Quellenkritik des Code wird mit den Methoden Campbell-Kellys erkennbar.
Spannender Weise kam es im Feld des Programmierens, ähnlich wie in den Sparkassen und Rentenversicherungen in Hinblick auf die Massen-Transaktionen, bereits sehr früh zu einer Formalisierung in Form von Formularen. Aber auch hier zeigte sich, worauf Thomas Haigh zuvor hingewiesen hatte: Die EDSAC als programmierte Maschine veränderte sich in der Zeit von ihrer Entwicklung bis hin zu ihrem produktiven Betrieb im Dienste der Wissenschaft immer wieder. Sie ist nicht als eine konstante Maschine zu begreifen, sondern als ein sich verändernder Prozess – das gilt ebenso für ihre Programme. Die EDSAC war nachfolgend die Vorlage für den sehr erfolgreichen Business-Computer LEO I der Lyons Company. Dort waren allerdings andere Eigenschaften angesichts der Massendatenverarbeitung gefragt: Repetitive Funktionen, sehr viel mehr Daten, viel weniger Code-Zeilen und es war mehr Speicher notwendig. Das fiel Wilkes auf, als er Anfang der 1950er-Jahre den LEO begutachtete.
Zusammenfassen lässt sich der Workshop als eine gelungene Kombination unterschiedlicher Interesse unter dem Stichwort „Early Digital“ als Frühzeit der Computerisierung. In den nächsten Jahren sollen weitere Veranstaltungen dazu in Siegen folgen. Durch die stärkere Vernetzung und durch überzeugende Monografien kann es gelingen, die Digitalgeschichte in einem breiteren Umfeld zu etablieren und zu institutionalisieren.
Text: Martin Schmitt
Titelbild: ENIAC (Electronic Numerical Integrator And Computer) in Philadelphia, Pennsylvania. Glen Beck (background) and Betty Snyder (foreground) program the ENIAC in building 328 at the Ballistic Research Laboratory (BRL). https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eniac.jpg, Rechte: public domain
Bild: Martin Schmitt
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VCFe in München https://www.computerisierung.com/?p=564 https://www.computerisierung.com/?p=564#respond Fri, 29 Apr 2016 07:53:25 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=564 An diesem Wochenende findet in München das 17. Vintage Computing Festival Europe statt. Vom 30. April – 1. Mai gibt es dort die Möglichkeit, alte Computerhardware zu entdecken, mit deren Entwicklern ins Gespräch zu kommen und sich über historische Software auszutauschen. Schwerpunkt Thema ist diesmal „Computer als Beruf(ung)“. Unter anderem wird Stefan Höltgen einen Vortrag zur Medialität des Computers halten und Dirk Kahnert zeigen, wie sich ein Betriebssystem auf den alten DDR-Kleinrechner  KC 85 portieren lässt.

Zum siebzehnten Mal kommt das VCF am Wochenende vom 30. April und 1. Mai 2016 in unser schönes München.

Ziel des Vintage Computer Festivals ist es den Erhalt und die Pflege ‚historischer‘ Computer und anderer (E)DV Gerätschaften zu fördern, das Interesse in ‚überflüssiger‘ Hard- und Software zu wecken und vor allem den Spaß daran auszuleben.

Das VCF ist nicht nur im kalifornischen Silicon Valley ein regelmäßiges Ereignis sondern inzwischen auch ein fixer Punkt in den europäischen Terminplänen.

Also lasst uns zurückkehren in die Guten Alten Tage, als Hacker noch keine Sicherheitsberater, Bytes noch keine Megabytes und Kleine Grüne Männchen noch Kleine Gruene Maennchen waren!

http://www.vcfe.org/D/

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Ersetzen Computer den Historiker? (Teil 1) https://www.computerisierung.com/?p=229 https://www.computerisierung.com/?p=229#respond Mon, 15 Dec 2014 01:08:50 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=229 Plötzlich stehen auch die kreativen Berufe scheinbar zur Disposition. Sind jetzt auch die Historiker dran? Die Debatte darüber ist entbrannt. “Can computers replace historians?” fragt Rory Cellan-Jones in der BBC. Seine Antwort ist “Nein” – seine Frage aber Teil einer Debatte, die auch die Geschichtswissenschaft nicht unberührt lassen wird.

Der Computer ist für den Historiker ein nicht mehr wegzudenkendes Werkzeug. Geeignete Software ordnet Literatur und Archivmaterialen, mit Textverarbeitungsprogrammen werden wissenschaftliche Artikel und Monographien angefertigt und das Internet ist das Tor zu einer ungemeinen Fülle an Informationen. In einer klassischen Geschichtswissenschaft sind diese Tools vollkommen ausreichend, um eine qualitativ hochwertige Arbeit anzufertigen. Darüber hinaus gibt es aber noch ein weiteres Feld, in dem viele Historiker derzeit noch nicht bewandert sind: Es heißt Big Data.
Mit der Bedeutung von Big Data für den Historiker beschäftigt sich der Tech-Journalist Rory Cellan-Jones in einem kürzlichen erschienen BBC-Artikel. Ausgangspunkt war für ihn die Studie von Kalev Leetaru, einem Spezialisten für Big Data an der Georgetown University. In historischen Daten Muster zu erkennen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben, das ist der Traum von Leetaru. Die Software, die er dafür verwendet hat, ist durchaus interessant. Das Tool heißt Google Big Query und ist in der Lage, extrem große Mengen an Daten zu sammeln und aufzubereiten. Kalev Leetaru sichtete Daten bis zum Jahr 1979 und speiste sie in die Software ein. Für letzten 35 Jahre und für die Zukunft übernahm die Software GDLET die Arbeit, indem sie Daten aus verschiedenen Quellen sammelte und strukturierte – von Medienberichten über Wirtschaftsstatistiken bis hin zu Regierungserklärungen in über 100 Sprachen. Was Leentaru mit Hilfe der Software in den Daten sah, sind wiederkehrende Muster. So analysierte er die Ereignisse in der Ukraine, Ägypten und den Libanon und behauptet, Gemeinsamkeiten festzustellen. Ein gutes Beispiel hierfür ist eine Karte, auf der zwei Faktoren in ihrer zeitlichen und räumlichen Entwicklung dargestellt werden: Gewalt gegen die Zivilbevölkerung und Demonstrationen. Leetaru geht aber noch einen Schritt weiter. Er behauptet, den späteren Verlauf der Ereignisse mit den zuvor gewonnen Daten bestimmen zu können, wie er in sinem Blog darlegt. So braucht es nur extrem viele Daten, etwas Statistik und einen guten Algorithmus und schon können wir Weltgeschehnisse besser einschätzen. In nur 2,5 Minuten, so heißt es, wäre es möglich, eine ganze Liste von Perioden in der “World History” der letzten 35 Jahre darzustellen, die Ähnlichkeiten zu den zentralen Monaten der Revolution in Ägypten aufweisen. Der Rest sind Korrelationen. Für die Auswertung braucht es mehr als nur Anfängerwissen in Statistik.

Was bedeutet diese Entwicklung für Historiker? Natürlich werden wir nicht ersetzt. Es werden aber unsere bisherigen Methoden und Herangehensweisen in Frage gestellt. Besonders interessant ist dies vor allem für Zeithistoriker und Historiker der “World History”. Hier werden in den letzten Jahrzehnten eine Unmenge von Daten gesammelt, die digital zur Verfügung stehen. Es sind Tools notwendig, um eine erste Selektion vorzunehmen. Algorithmen können dabei ein Hilfsmittel sein, um Trends zu erkennen, ohne die qualitatative Analyse der Quellen aufzugeben. Auch große Datenmengen müssen im Vorfeld systematisiert werden, ebenso wie das Ergebnis der Software einer historischen Deutung bedarf. Das ist und bleibt die Aufgabe gut ausgebildeter HistorikerInnen und kann durch keinen Computer ersetzt werden. Voraussagen für die Zukunft überlassen wir aber vielleicht besser der Software.

Die dahinterliegende Debatte, ob die Maschine den Menschen eines Tages ersetzen werde, reicht hingegen weiter zurück. Im zweiten Teil, der in wenigen Tagen folgt, wird diese Debatte eingeordnet in die längeren Linien der Computerisierung und der Debatte um künstliche Intelligenz.

Autoren: Janine Noack, Martin Schmitt
Bildquelle: Screenshot des GDELT Global Conflict Boards

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