History of the Internet – .computerisierung https://www.computerisierung.com Thu, 19 Apr 2018 11:59:40 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Mit offenen Karten: Computerisierung auf ARTE https://www.computerisierung.com/?p=889 https://www.computerisierung.com/?p=889#respond Thu, 19 Apr 2018 11:59:40 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=889 99% des Internetverkehrs werden heutzutage über Unterseekabel abgewickelt. Diese Kabel haben nicht nur eine lange Vorgeschichte, die bis in die Zeit des Kalten Krieges zurückreicht. Sie haben mit der Zeit auch eine strategische Bedeutung gewonnen. Auf ARTE lief in der Sendung „Mit offenen Karten“ am 14. April 2018 eine sehenswerte Doku über die Infrastruktur des Internet. Die Autoren empfehlen am Ende das Buch unseres Projektmitarbeiters Martin Schmitt, „Internet im Kalten Krieg“. In seinem Buch verweist er auf die in der Dokumentation dargestellten langen Linien bis in die Gegenwart. Wir freuen uns sehr über die freundliche Empfehlung. Auch Nicole Starosielskis Buch „The Undersea Network“ hätte die Empfehlung verdient, eine weitere Leseempfehlung für am Thema Interessierte. Die Sendung ist noch bis zum 14. Juni in der ARTE Mediathek abrufbar.

]]>
https://www.computerisierung.com/?feed=rss2&p=889 0
Michael S. Mahoney Preis 2016: Andrew L. Russell und Valérie Schafer https://www.computerisierung.com/?p=647 https://www.computerisierung.com/?p=647#respond Thu, 21 Jul 2016 16:09:47 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=647 Andrew L. Russell und Valérie Schafer gewinnen den Michael S. Mahoney Preis 2016. Sie erhalten die Auszeichnung für ihren Aufsatz zur Geschichte des Cyclades-Netzwerkes im Frankreich der 1970er-Jahre: „In the Shadow of ARPANET and Internet: Louis Pouzin and the Cyclades Network in the 1970s,“ Technology and Culture 55, no. 4 (October 2014): 880-907. Der Michael S. Mahoney Preis zeichnet herausragende Arbeiten der Digitalgeschichte aus, vergeben von der Society for the History of Technology. Zudem wurde Dinesh C. Sharmas Monografie zur Computerisierung Indiens mit dem Preis des Computer History Museums 2016 ausgezeichnet.

Der Aufsatz von Russell und Schafer ist ein profunder Beitrag zur Geschichte des Internet, das mehr als nur eine amerikanische Entwicklung war. So begründet die Jury ihre Entscheidung:

„This paper expands our understanding of how networks emerged and evolved.  It contributed additional evidence of the international nature of ICTs, in this case, within France.  The paper is another example of the power of international collaboration among scholars.  It provides a meaningful narrative of a key piece of French networking history that has been understudied in a polished essay.“ (Quelle: http://www.sigcis.org/node/397)

Michael S. Mahoney war einer der früher Digitalhistoriker, der sich vor allem mit Aufsätzen zur Frage der Software-Geschichte einen Namen machte. Bis zu seinem Tod im Jahr 2008 war er Professor für Wissensgeschichte an der Princeton University.

Den Preis des Computer History Museum für das beste Buch zur Digitalgeschichte gewann hingegen Dinesh C. Sharma für seine Monographie „The Outsourcer“ über die Computerisierung Indiens, das 2015 bei MIT Press erschien. Sharma, ursprünglich Journalist, erzählt darin basierend auf einer breiten Quellenbasis wie Indien in das Digitalzeitalter einstieg. Die Jury zeichnete ihn auch deswegen aus, weil es ihm gelang, seine Erzählung in die breitere indische Geschichte einzubetten.
Aus der Sicht unseres Forschungsprojektes, dass genau auf die Einbettung der Computergeschichte in die Zeitgeschichte abzielt, ist die Entscheidung der Jury nachdrücklich zu begrüßen. Die Begründung im Wortlaut:
„Dinesh Sharma has written a highly accessible book on a significant topic – the history of computing in India – that is well-grounded in sources and interviews. The Outsourcer is full of fascinating stories on the beginnings of computing in India. Sharma does an excellent job contextualizing this story within broader Indian history and the history of computing in the West. Trained as a journalist, Sharma has produced a book that is both carefully researched and engaging to the reader. He regales and rewards readers with a great selection of anecdotes. The committee is pleased to award the 2016 Computer History Museum Prize to Dinesh C. Sharma for The Outsourcer: The Story of India’s IT Revolution.“
Der Preisträger:
Dinesh C. Sharma for The Outsourcer: The Story of India’s IT Revolution (MIT Press, 2015).

 

Text: Martin Schmitt

]]>
https://www.computerisierung.com/?feed=rss2&p=647 0
IFIP Working Group 9.7 Konferenz: Internationale Entwicklergemeinschaften https://www.computerisierung.com/?p=595 https://www.computerisierung.com/?p=595#respond Fri, 27 May 2016 04:40:06 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=595 Welchen Einfluss hatten internationale Entwicklergemeinschaften auf die Architektur und Proliferation von Informationstechnologie? Zu dieser Frage begann am Mittwoch, 26.05.2016, in New York eine Konferenz der International Federation for Information Processing (IFIP). Die IFIP Arbeitsgruppe 9.7 hat sich seit vielen Jahren der Digitalgeschichte verschrieben und vereint im „Big Apple“ zahlreiche Größen des Fachs.

Den Auftakt zu der fünftägigen Tagung machte die Medienhistorikerin Nicole Starosielski, Assistant Professor an der New York University, mit ihrer Keynote zu den Unterseekabeln des Internet. In Kollaboration mit einem Grafiker entwarf sie eine interaktive Karte, mit deren Hilfe sich die Infrastruktur des Internet nachvollziehen lässt. Dabei stellt sie bewusst die linearen und kolonialen Narrative in den Hintergrund. Sie will die Geschichte des Internet und die Verbreitung seiner Kabel nicht ein weiteres Mal aus der Perspektive der USA oder Großbritanniens erzählen. Es gäbe schon genügend Arbeiten darüber, wie deren große Telekommunikations-Unternehmen die Welt unter sich aufteilten. Vielmehr interessiert Starosielski sich dafür, was an den lokalen Punkten der Seekabel passierte. Woher kamen die Menschen, welche die Kabel vor Ort installierten, warteten und betrieben? Wie trafen internationale Kommunikationsinteressen und lokale Interessen aufeinander? Immerhin läuft über diese Unterseekabel heute ein Großteil unserer Kommunikation, sozial, militärisch, ökonomisch wie auch politisch. Genügend Ersatzkapazität via Satellit gibt es nicht. In der Visualisierung surfacing kann dies jeder selbst nachverfolgen.
Surfacing Screenshot

Die Abkehr von linearen Narrativen: Surfacing als thematische Visualisierung der Unterseekabel des Internet

In der Karte drückt sich die Abkehr von linearen Narrativen dergestalt aus, dass die höchste Ebene der Karte keine geografische Übersicht bietet. Vielmehr zeigt sie eine in sich gefaltete thematische Übersicht der einzelnen Aspekte der Geschichte und der Verbreitung der Unterseekabel des Internet. Geordnet in Clustern wie „Kalter Krieg“, kulturellen Techniken der Seekabel vor Ort oder der Frage nach ökonomischen Marktkriterien bietet dies eine explorative und überraschend neue Art der Wissenspräsentation. Statt der oft daten-losen Karten der Netzwerke macht Starosielskis „surfacing“ den Blick frei für die dahinterliegenden Geschichten. Für mich stellte sich am Ende nur die analytische Frage: Inwiefern hängen denn jetzt die lokalen Interessen, der kulturelle Hintergrund der Kabelingenieure und die Infrastruktur des Internet zusammen, wie drücken sie sich ineinander aus? Und blieben die Kabelingenieure nicht eine internationale Elite? Starosielski bejahte dies einerseits, denn gerade die Kabelingenieure wurden von ihren Firmen gezielt abgeschirmt, um nicht dem lokalen „Rauschen“ ausgesetzt zu sein. Das „Rauschen“ bezeichnet in der Fachsprache die Hintergrundstörung, durch die hinweg ein Signal als „Ordnung“ übertragen werden muss. Im Falle der Ingenieure hieß dies aber eher, sie von den lokalen Bars abzuhalten und nüchtern zur Arbeit zu erscheinen. Andererseits bildeten sie trotz der häufigen Ortswechsel über die einzelnen Seekabelpunkte hinweg eine lokale Identität aus, die auch von den Firmen als Erdung gewünscht war. Ansonsten konnten Geschichten wie in Kalifornien passieren, was die Infrastruktur des Netzwerkes nachhaltig prägte: Die lokalen Fischer und Umweltaktivisten wehrten sich dagegen, dass die Kabel in ihrem Gebiet anlandeten. Die Proteste führten dazu, dass die Kabel schließlich nach Portland verlegt wurden.
Telestar, der erste zivile Kommunikationssatellit, ausgestellt in den Bell Laboratories

Telestar, der erste zivile Kommunikationssatellit, ausgestellt in den Bell Laboratories

Um alternativen Formen der Kommunikation ging es im zweiten Teil des Konferenztages. Ein Besuch bei den berühmten Bell Labs stand auf dem Programm, heute in Besitz von NOKIA. Nur etwa eine Stunde außerhalb von New York City auf den Murray Hills gelegen, sind die Bell Labs einer der Ursprungsorte des Informationszeitalters. Das wird durchaus betont. Die Bell Laboratories schreiben sich auf die Fahne, „to invented nearly everything“. Dementsprechend ging es in der Führung um sehr viele „firsts“: Das erste Telefon, die erste mobile Funkübertragung von Sprache, der erste Transistor, Shannons Informationstheorie, der erste zivile Kommunikationssatellit, die Entwicklung von UNIX oder der Programmiersprache C++ – viele Grundsteine für das Informationszeitalter wurden hier gelegt. So wurden uns nicht nur die Artefakte gezeigt, sondern auch eine Führung durch das zumeist noch im Originalzustand erhaltene Gebäude gegeben. Nicht nur die Artefakte bekamen hier eine Aura zugeschrieben, auch der Ort selbst als mythisch beschworen. NOKIA als neuer Inhaber der Bell Labs ist dabei bereits bestens in das Narrativ integriert. Die Führung begann mit einem „connecting people“. Jenseits heroischer Erzählung ist der Besuch bei den Bell Labs aber absolut lohnenswert und die Ausstellung zeichnet sich durch moderne Museumspädagogik aus, welche den Besucher angesichts der Vielzahl an Erfindungen nicht erschlägt, sondern durch das Museum führt.

Text: Martin Schmitt
Fotos: Martin Schmitt, Titelbild: Der erste Transistor.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

]]>
https://www.computerisierung.com/?feed=rss2&p=595 0
Die Geschichte des Internet https://www.computerisierung.com/?p=331 https://www.computerisierung.com/?p=331#respond Tue, 16 Jun 2015 13:10:17 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=331 Welche Narrative gibt es zur Geschichte des Internet? Am Samstagnachmittag interviewte das Deutschlandradio Kultur unseren Projektmitarbeiter Martin Schmitt, M.A. zu dieser Frage, die an der Schlüsselstelle des Aufbruchs in die Informationsgesellschaft liegt. Der kurze Beitrag wird am Mittwoch, dem 17. Juni 2015 zwischen 19:07 Uhr und 19:30 Uhr in der Sendung „Zeitfragen. Kultur und Gesellschaft“ zu hören sein.

Martin Schmitt schrieb am Seminar für Zeitgeschichte der Universität Tübingen seine Abschlussarbeit zur Frühgeschichte des Internet als kybernetischem System bei Prof. Anselm Doering-Manteuffel und Prof. Klaus Gestwa. In seiner Arbeit verband er die militärischen Ursprünge im ARPANET mit den wissenschaftlichen und gegenkulturellen Interesse der an der Entwicklung der Technologie beteiligten Akteure, die bis heute spürbar sind.

UPDATE: Der Beitrag ist seit gestern Abend auf der Webseite des Deutschlandradio Kultur „MILITÄR ODER GEGENKULTUR? Wer die Anfänge des Netzes prägte“ und als Podcast verfügbar.

 

Autor: Martin Schmitt

Bildrechte: Creative Commons Lizenzvertrag Martin Schmitt am Funkhaus Berlin von Martin Schmitt ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

]]>
https://www.computerisierung.com/?feed=rss2&p=331 0