Digitalisierung – .computerisierung https://www.computerisierung.com Thu, 20 Oct 2022 15:30:04 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Rezension zu: Martin Schmitt, Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft https://www.computerisierung.com/?p=1342 https://www.computerisierung.com/?p=1342#respond Thu, 20 Oct 2022 15:30:01 +0000 https://www.computerisierung.com/?p=1342 Im November 2021 erschien die Dissertation von Martin Schmitt, „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Computereinsatz in den Sparkassen der Bundesrepublik und der DDR“ im Wallsteinverlag. Inzwischen erscheinen die ersten Besprechungen zum Buch. So steigt Christopher Kopper, Wirtschaftshistoriker an Universität Bielefeld, in seiner Rezension bei SEHEPUNKTE damit ein, dass der „Titel dieser Dissertation … sehr viel spezieller [klingt], als das Thema tatsächlich ist“. Demgegenüber stellt fest: „In der deutschsprachigen Forschung ist Schmitts Buch die erste monographische Publikation über die Technik- und Wirtschaftsgeschichte der Digitalisierung.“ Lesen Sie die komplette Rezension auf http://www.sehepunkte.de/2022/10/36574.html

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Neu erschienen: „Wie der Sozialstaat digital wurde“ https://www.computerisierung.com/?p=1255 https://www.computerisierung.com/?p=1255#respond Thu, 01 Oct 2020 06:20:00 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1255 Cover:  Wie der Sozialstaat digital wurdeAls erste Projektpublikation aus dem ZZF-Projekt „Wege in die digitale Gesellschaft“ ist Anfang des Monats Thomas Kaspers Dissertation „Wie der Sozialstaat digital wurde“ im Wallstein-Verlag erschienen. Thomas Kasper, geb. 1986, war von 2014-2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dokorand am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Dort untersuchte er die Computerisierung der Rentenversicherung im geteilten Deutschland.

Seine Dissertation erschien in der Reihe „Medien und Gesellschaftswandel im 20. Jahrhundert“, herausgegeben von Prof. Frank Bösch und Dr. Christoph Klassen. Aus dem Klappentext:

In beiden deutschen Teilstaaten gehörten die Rentenversicherungen zu den ersten Nutzern von Computern. Bereits seit Mitte der 1950er Jahre berechneten diese die Altersruhegelder im Westen, zehn Jahre später auch in der DDR. Die digitale Datenverarbeitung versprach große Rationalisierungs- und Beschleunigungseffekte. Gleichwohl führten die verschiedenen Staats- und Versicherungsformen zu einer unterschiedlichen Nutzung von Computern.
Die Studie von Thomas Kasper zeigt, unter welchen Bedingungen sich die elektronische Datenverarbeitung in der Sozialverwaltung durchsetzen konnte. Sie verdeutlicht, welchen bisher unbekannten Einfluss sie auf sozialpolitische Entscheidungen sowie auf die Arbeitsverhältnisse und den Datenschutz in beiden deutschen Teilstaaten hatte. Nach der Wiedervereinigung ließ nur die gemeinsame Nutzung der vorhandenen digitalen Strukturen die Zusammenführung beider Sozialsysteme gelingen.

Zur Verlagswebseite des Buches: https://www.wallstein-verlag.de/9783835336513-wie-der-sozialstaat-digital-wurde.html

Text: Martin Schmitt

Bild: Wallstein-Verlag

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Die Geschichte des Potsdamer Rechenzentrums: Sozialistische Computernutzung und die Digitalisierung in Ostdeutschland https://www.computerisierung.com/?p=1228 https://www.computerisierung.com/?p=1228#respond Fri, 26 Jun 2020 16:35:54 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1228 Auf welcher Nutzungsidee basierte der Bau des einst „Datenverarbeitungszentrums“ genannten Baus? Welche technologischen und gesellschaftlichen Konzpete lagen diesem zu Grunde? Martin Schmitt wirft in seinem Beitrag einen technikhistorischen Blick auf den politisierten Ort: „Die Geschichte des Potsdamer Rechenzentrums: Sozialistische Computernutzung und die Digitalisierung in Ostdeutschland“ auf lernort-garnisonkirche.de/?p=456

 

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Digitalgeschichte trifft Kunst https://www.computerisierung.com/?p=1222 https://www.computerisierung.com/?p=1222#comments Tue, 16 Jun 2020 17:10:43 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1222 Wie kann ein Dialog von Digitalgeschichte und Kunst aussehen? In ihrem interdisziplinären Gespräch gingen der Potsdamer Künstler Rudi Fischer und Martin Schmitt von der TU-Darmstadt / ZZF Potsdam grundlegenden Themen des Digitalen Zeitalters aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund. Sie sprachen am historischen Ort des ehemaligen Datenverarbeitungszentrums Potsdam über die Diskurse der Digitalisierung, von der Ersetzung des Menschen, über die Überwachung und die Arbeit im Finanzmarktkapitalismus bis hin zu Filterblasen und Informationsströmen. Anlass des Gespräches war die aktuellen Ausstellung „Zeichen der Zeit“ im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum, Potsdam. Im Gespräch entstanden neue Blickwinkel und überraschende Erkenntnisse, beispielsweise zur materiellen Standardisierung des Digitalen.

Text: Martin Schmitt
Video: Rudi Fischer, Container Art Care

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Martin Schmitt schließt erfolgreich seine Dissertation zur „Digitalisierung der Kreditwirtschaft“ ab https://www.computerisierung.com/?p=1153 https://www.computerisierung.com/?p=1153#respond Tue, 17 Mar 2020 16:22:46 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1153 Martin Schmitt hat am 16. März 2020 erfolgreich seine Dissertation „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Computereinsatz in den Sparkassen der Bundesrepublik und DDR, 1957-1991“ an der Universität Potsdam mit magna cum laude verteidigt. Die Betreuer_innen der Arbeit, Prof. Dr. Frank Bösch (ZZF Potsdam) und Martina Heßler (TU Darmstadt) hoben in ihren Gutachten die Pionierarbeit hervor, die Schmitt für die Erforschung der Geschichte der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft mit großer Akribie geleistet hat. Als Endnote bewerteten sie die Dissertation mit einem guten magna cum laude.

Martin Schmitt gelang es in seiner Dissertation, am Beispiel der Banken und Sparkassen den Verlauf breiterer Digitalisierungsprozesse in der deutschen Wirtschaft seit Mitte der 1950er-Jahre bis zur Wiedervereinigung aufzuzeigen. Er analysierte, warum Sparkassen in beiden deutschen Staaten Computer einsetzten und welche Veränderungen sich in Wechselwirkung von Computertechnik mit dem Bankbetrieb für Mitarbeiter_innen wie Kund_innen ergaben. Während Kreditinstitute anfangs noch mit dem Computereinsatz experimentierten, wurde er seit den 1970er-Jahren für sie unverzichtbar. Einen besonderen Wert legte Martin Schmitt auf Betrachtung von Software als neue Quellegattung, in der Programmierer_innen die Betriebsprozesse der Sparkassen abbildeten. In seiner vergleichend angelegten Studie zeigte Schmitt zudem auf, wie sich die Digitalisierungsprozesse in einem sozialistisch-planwirtschaftlichen und marktwirtschaftlich-kapitalistischen System unterschieden. In beiden deutschen Staaten war die Digitalisierung der Kreditwirtschaft keine lineare Erfolgsgeschichte, veränderte die Institute aber von Grund auf.

Während der Arbeit am Dissertationsprojekt war Martin Schmitt als Doktorand am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in Abteilung II, „Geschichte des Wirtschaftens“, sowie an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und der Technischen Universität Darmstadt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Seine Dissertation ist eines von vier Teilprojekten des von ZZF-Direktor Frank Bösch geleiteten Projekts „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und DDR“, das im Rahmen des „Leibniz-Wettbewerb“ in der Förderlinie „innovative Vorhaben“ eingeworben und 2014-2017 von der Leibniz-Gemeinschaft finanziert wurde.

Text und Bild: Martin Schmitt

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Die Geschichte der Künstlichen Intelligenz in der DDR: Forschungsprojekt an Bord der MS Wissenschaft https://www.computerisierung.com/?p=1115 https://www.computerisierung.com/?p=1115#respond Tue, 28 May 2019 07:24:19 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1115 Künstliche Intelligenz hat Geschichte. Ein Strang dieser Geschichte reicht zurück in die ehemalige DDR. Am Beispiel eines interaktiven DDR-Mikrocomputer KC85/3 mit Schachprogramm zeigen Stefan Höltgen (HU Berlin) und Martin Schmitt (ZZF Potsdam) an Bord des Ausstellungsschiffs „MS Wissenschaft“, wie das gegenwärtige Hype-Thema künstliche Intelligenz historisch eingeordnet werden kann. Das Binnenschiff MS Wissenschaft reist in den kommenden Monaten durch Deutschland: Ein Besuch lohnt sich!

Schach dem König: Besucherinnen am KC85/3
Besucherinnen spielen am KC85/3 Schach gegen eine künstliche Intelligenz, Foto: Martin Schmitt

Ein Auszug aus der Pressemitteilung des ZZF Potsdams:

„An die fünf Kilogramm Gewicht und die Maße 38x27x7 cm (Breite, Höhe, Länge) bringt der historische Computer KC85 aus der DDR der 80er Jahre mit. Mit diesem Exponat und dem Projekt „Schach dem König? Künstliche Intelligenz als historischer Alltag“ beteiligt sich das ZZF Potsdam an der diesjährigen Ausstellung zum Leitthema „Künstlichen Intelligenz“ der MS Wissenschaft. Das umgebaute Binnenfrachtschiff geht vom 16. Mai (Tourstart: Berlin) bis 3. Oktober in 27 deutschen Städten vor Anker.

[…]

Das Mitmach-Exponat […] wurde von der ZZF-Projektgruppe in Zusammenarbeit mit Dr. Stefan Höltgen vom Fachgebiet Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelt. Martin Schmitt promoviert zur Geschichte der Computersierung. Er erklärt: „An kaum einem Gegenstand entzündeten sich die gesellschaftlichen Kontroversen über KI offensichtlicher als am Schach. Wenn der Computer Schach spielt, kann die Maschine denken. So lautete damals die Gleichung.“ Dabei reicht die Debatte weit zurück. Schon in den 1950er-Jahren verfassten sowjetische und amerikanische Informatiker wegweisende Arbeiten über die Möglichkeiten der Schachprogrammierung. „Anfangs stieß der Computer aber an seine Grenzen“, gibt Martin Schmitt zu. „Der Mensch schlug ihn locker. Erst Ende der 1970er-Jahre wurde er zu einem ernsthaften Gegner.“

Die Ausstellung auf der MS Wissenschaft ist zentraler Bestandteil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Wissenschaft im Dialog (WiD) ausgerufenen Wissenschaftsjahr 2019 – Künstliche Intelligenz. Sie richtet sich insbesondere an Schulen, Jugendliche und Familien. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist täglich von 10–19 Uhr geöffnet.“ (Stefanie Eisenhuth)

Das gesamte Programm des Ausstellungsschiffs und seine Route können abgerufen werden unter: www.ms-wissenschaft.de Derzeit liegt das Schiff in Magdeburg, die nächsten Anlegestellen werden Braunschweig, Minden, Bremen und Oldenburg sein. Jetzt ist auch offiziell, dass das Schiff bis nach Österreich reist, bis nach Linz, der Heimat der Ars Electronica. Martin Schmitt und Dr. Stefan Höltgen kooperierten für die Exponatserstellung im Rahmen der Fachgruppe für Computergeschichte des Gesellschaft für Informatik.

Projektmitarbeiter Martin Schmitt erläutert dem Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft Matthias Kleiner die Geschichte der künstlichen Intelligenz in der DDR.
Projektmitarbeiter Martin Schmitt erläutert dem Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft Matthias Kleiner die Geschichte der künstlichen Intelligenz in der DDR. Foto: Leibniz-Gemeinschaft

Text: Martin Schmitt, Stefanie Eisenhuth ZZF Potsdam
Fotos: Martin Schmitt, Stefanie Eisenhuth, Leibniz-Gemeinschaft

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Thomas Kasper verteidigt erfolgreich Dissertation https://www.computerisierung.com/?p=1065 https://www.computerisierung.com/?p=1065#respond Mon, 17 Dec 2018 15:19:51 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1065 Thomas Kasper, Mitglied unserer Gruppe zur Geschichte der Computerisierung in Deutschland, verteidigte heute erfolgreich seine Doktorarbeit an der Universität Potsdam. Bereits mit seiner Arbeit zur staatlichen Computerisierung am Beispiel der Rentenversicherungen in Bundesrepublik und DDR wusste er die drei Gutachter Prof. Frank Bösch, Prof. Winfried Süß (beide Potsdam) und Larry Fromann (New York) zu überzeugen. Seine mündliche Verteidigung bestätigte die Prüfer in ihrem Urteil, Magna cum laude zu vergeben.

In seinem Verteidigungsvortrag hob Thomas Kasper nochmals den großen Einfluss von Computertechnologie auf die Reform der Rentenversicherung in der Bundesrepublik seit den 1950er-Jahren hervor. Die Möglichkeiten des Computers bestimmten die Rentenformel, so Kasper. Anfangs stand das Nutzungsparadigma der Rationalisierung dort im Vordergrund, während dies in den 1970er-Jahren von Bemühungen um Transparenz und Bürgernähe abgelöst wurden. Dies kontrastierte er mit den Entwicklungen der DDR, wo es seiner Meinung nach das Rationalisierungsparadigma im Rentenwesen bis zur Wiedervereinigung bestand hatte.

Text und Bild: Martin Schmitt

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Feature: „Neuland: Die Entwicklung des 1-Megabit-Chips in der DDR“ https://www.computerisierung.com/?p=1023 https://www.computerisierung.com/?p=1023#respond Wed, 28 Nov 2018 14:21:40 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1023 Die Entwicklung des 1-Megabit-Chips in der DDR in den Jahren 1986-88 war ein Prestigeprojekt der DDR sondergleichen. Honecker wollte damit die Leistungsfähigkeit des sozialistischen Staates in der Hochtechnologie unter Beweis stellen. Eine Feature-Serie des Deutschlandfunk Kultur verknüpft dessen Entwicklung mit der Zeitgeschichte der Spätphase der DDR. In 6 Folgen beleuchtet Dörte Fiedler mit szenischen O-Tönen und einer fesselnden Story das oft vergessene Jahr 1988 und die Hintergründe der Entwicklung der Mikroelektronik-Entwicklung in der DDR.

Oder in den Worten der Ankündigung des Deutschlandfunks Kultur: „Von Halbleitern und Heimat: Die sechsteilige Serie erzählt vor dem Hintergrund der Geschichte der ostdeutschen Mikroelektronik-Industrie ein Stück deutsch-deutscher Vergangenheit. Im Zusammenspiel vieler kleiner Geschichten und Beobachtungen ergibt sich ein Panorama der DDR kurz vor und nach der Wende.“
Das Titelbild des Features unterstreicht dabei die staatstragende Dimension der Digitalisierung in der DDR. Zu sehen ist rechts die Übergabe des 1-Megabit-Chips an Erich Honecker. Links im Bild Arbeiter des Uranbergbaus, die nach der Schließung der Grube für die Arbeit in der Mikroelektronik-Industrie vorgesehen waren.
Text: Martin Schmitt
Bild: „Uranbergbaubetrieb Willi Agatz, Dresden / Übergabe des 1 Megabit Chips an DDR-Staatschef Erich Honecker 1988 (Fuciker (Jürgen Obiegli) / Bundesarchiv Koblenz/Franke / Collage: Bens)“
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Programm: Histories of Computing in Eastern Europe, Posen 2018 https://www.computerisierung.com/?p=999 https://www.computerisierung.com/?p=999#respond Sat, 15 Sep 2018 16:54:58 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=999 Seit heute ist das überarbeitete Programm für die Konferenz „Histories of Computing in Eastern Europe“ der  Working Group 9.7 auf dem IFIP World Congress 2018 an der Poznan University of Technology draußen: Programm HCEE 2018. Unter anderem wird unser Projektmitarbeiter Martin Schmitt einen Vortrag zum „Second life of a US army computer: The import of western information technology in GDR’s financial sector in 1965“ halten. Welche Rolle spielte Technologietransfer im Kalten Krieg für die frühe Digitalisierung? Weiterhin gibt es am Freitag die Poznan Bombe Roadshow (aka “Enigma Live”), auf der eine verschlüsselte Enigma Nachricht nach England übertragen, dort entschlüsselt und wieder zurückübertragen wird. Das Ganze wird live per Webstream übertragen.

Auszug aus dem Programm:

Panel 4: 09:30-11:00 (Hall 023 BT):
• Miroslaw Sikora, “Cooperating with Moscow, Stealing in California: PPR’s Legal and Illicit Acquisition of Know-How in the Area of Microelectronics in 1960-1990.”
• Martin Schmitt, “In Fear of Convergence? The Import of Western Computer Technology in the GDR; or, Following the Traces of a Machine through the Iron Curtain: The Computer Import of GDR’s State Bank in the 1960s.”
• Christopher Leslie, “CoCom, Comecon, Chincom, and Dot-Com: Technological Determinism in Economic Blockades, 1949-1994”

 

Text: Martin Schmitt

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Zu Besuch bei Robotron: Exkursion zur Technischen Sammlung Dresden https://www.computerisierung.com/?p=906 https://www.computerisierung.com/?p=906#respond Sun, 29 Jul 2018 10:48:05 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=906 Dresden war einst die Hauptstadt der DDR-Mikroelektronik. Das Kombinat Robotron, ein ostdeutsches Pendant zu Siemens, hatte in der Stadt seinen Stammsitz. Seine Mitarbeiter entwickelten und produzierten die Basis der Computerisierung Ostdeutschlands. Ein Gruppe unseres Forschungsprojektes besuchte diesen Samstag die Technische Sammlung Dresden, wo zahlreiche Exponate aus der Zeit Robotrons ausgestellt werden.

Die stadtgeschichtliche Bedeutung der Mikroelektronik in Dresden springt einen an, noch bevor man die eigentliche Sammlung betritt. Unweigerlich kreuzt der Besucher das ehemalige Robotron-Gelände gegenüber des Rathauses. Hier residierte einst die EDV in der Stadtmitte. In der Technischen Sammlung angekommen begrüßte uns Thomas Falk, Vorsitzender des Fördervereins der seit 1992 im ehemaligen VEB Pentacon angesiedelten Museums. Bereits im Vorraum der Sammlung befindet sich eine kleine Sonderausstellung zu Dresden als Standort der Halbleiter- und Mikrochipproduktion bis heute. Es ist ein wenig wie seinerzeit in der Strategie IBMs: Der Primat des Prozessors steht an vorderster Stelle. Neben den kleinen Chips, die in den Vitrinen wie kostbare Juwelen präsentiert werden, erfährt der Besucher aus zeitgenössischen Dokumentation mehr über den komplexen Prozess der Mikrochipherstellung. Neben dem 1 MB Chip der DDR prangt stolz ein Quellendokument Siemens, das angesichts der Verschlossenheit des Münchner Konzerns aus dem Robotron-Bestand stammen muss: Der Chip erfülle die hohen Qualitätskriterien Siemens und löse bei seinen Mitarbeitern großes Interesse aus, berichtete der Leiter des Siemens Testlabors im April 1990 wohlwollend. Nur würde der Chip sehr einem Toshiba-Fabrikat ähneln, was nun weiter überprüft wurde. Dabei ist diese oft belächelte Fall der Industriespionage gar nicht der zentrale Punkt. Vielmehr gelang es den DDR-Technikern, das hochkomplexe Verfahren zu meistern, die Chips überhaupt in einer ausreichenden Qualität industriell zu fertigen. Dabei bedurfte es nicht nur hunderten Schritte feinster Präzision, sondern auch eines aufwendigen Equipments, gut ausgebildeten Leuten, einem langen Vorlauf, den Rohstoffen und dem Fertigungswissen, um aus einer Kopie einen Chip zu machen. Das Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung: Welch ein großindustrieller Aufwand es für ein kleines Land wie die DDR gewesen sein muss, abseits des Weltmarktes sein eigenes Digitales Zeitalter aus dem Boden zu stampfen.

 

Das beginnt schon bei dem ersten Exponat der Sammlung, dem Zeiss Rechenautomaten 1 (ZRA 1). Es ist nicht die biedere Fertigungsform des noch „Automaten“ genannten Computers, der platziert auf einem Holzschreibtisch eher wie eine zu groß geratene Büromaschine wirkt. Es ist vielmehr das Begleitvideo aus dem Herstellungsprozess der Maschine, das einem den Aufbruch in das Digitale Zeitalter mit seiner ganzen Dynamik vor Augen führt. Flinke Frauenhänden löteten Schaltungen zusammen, geniale Männerköpfe ersannen die Software, welche die Maschinen erst nützlich machten. Das auf den ersten Blick klischeehafte Geschlechterverhältnis löst sich auf in dem Stolz in den Augen der Frauen, die ihre Gesundheit ruinieren mochten, aber an der Zukunft arbeiteten: „diese Frauen waren Friseurinnen, Hausfrauen, Schneiderinnen, ehe sie ihren neuen Beruf im Zeiss-Rechenautomatenbau in Saalfeld erlernten – einem neuen Industriezweig“. Damit unterschied sich der sozialpolitische Anspruch in der DDR nicht von dem in Westdeutschland, wo sich bei der Zuse KG dieselben Sätze finden lassen. Überragt wird das sorgsame angeordnete technische Ensemble von dem Endpunkt der Sammlung, der zur hochaktuellen Frage des Energieverbrauchs des Digitalen Zeitalters überleitet: Das Netzteil der ZRA 1 ist größer als mancher Großrechner in der Folgezeit. Es ist ein Produkt europäischer Industriekultur. Digitalisierung war nicht das Gegenteil der Industrialisierung. Digitalisierung beruhte maßgeblich Industrialisierung. So trug der ZRA 1 als Passagepunkt zur Digitalisierung noch einen Kippschalter, mit dem sich notfalls noch von „Maschine“ auf „Hand“ umstellen ließ.

  • Der ZRA 1 als Industriekultur

Die Technische Sammlung Dresden, die schon seit 1966 besteht, verfolgt dabei naturgemäß ein anderes Konzept, wie es beispielsweise Hands-on Museen in Paderborn oder Sammlungen wie in Halle hochhalten. Der Dresdner Schwerpunkt liegt auf dem Erhalten und Bewahren des Artefaktes im Zustand nach dem Ende seiner Nutzung – nicht auf einer Nutzung durch den Besucher, nicht auf einer funktionalen Performanz. Dementsprechend distanzieren sich die Rechner vom Besucher, sprechen in einer anderen Sprache zu ihm, in der des Objektes. Die Sammlung läuft in der Sprache des ZRA 1 noch im Modus „Maschine“, nicht im Modus „Hand“. Vor allem die räumliche Weitläufigkeit beeindruckt, die der wunderschöne Industriebau ermöglicht. Die Sammlung wirkt nicht so überfrachtet, sondern erlaubt dem Besucher eine Konzentration.

Dabei spielen die Kuratoren, unter Ihnen Dr. Ralf Pulla, mit dem Raum. Nach Lehrrechnern des DDR-Informatikpioniers Nikolaus Lehmanns und einem vergleichenden Blick in die Bundesrepublik mit dem User Rechner Z22 stellt sich der PLR 1 wie eine Wand vor den Besucher. Mit seinen hunderten Röhren in wuchtigen Eisenschränken versperrte er nicht nur in der Sammlung den Weg zu den nachfolgenden Robotron-Computern. Der nur als Prototyp gebaute Lochkarten-Rechner band auch so manche Ressource. Dahinter eröffnet sich das Ensemble, das als das Herzstück der Ausstellung gelten kann: Die Elektronische Datenverarbeitungsanlage Robotron 300. Dieser insgesamt über dreihundert Mal hergestellte Computer mittlerer Leistungsfähigkeit galt als der ganze Stolz der DDR. Er kam vor allem in Wirtschaftsbetrieben zum Einsatz, aber auch bei der Staatlichen Verwaltung oder dem Militär. Die in Dresden gezeigte Anlage inklusive der grauen Schränke mit Stromversorgung, Speicher, Magnetbandeinheiten, Drucker und Lochkarten-Lese-und-Stanzeinheit stammt aus den VEB Rafena-Werken Radeberg von 1967. Die Technische Sammlung Dresden zeigt ihn in einem begehbaren Ensemble, der dem Besucher eine Vorstellung seiner räumlichen Anordnung in einem Betrieb gibt. So wird Digitalgeschichte erfahrbar.

Von seiner Nutzung zeugen die abgeriebenen Tasten und rostigen Ecken auf der vormals glänzenden Paneele. Der Notabschaltknopf prangte markant rot in der Mitte. Scheinbar traute die Datenverarbeiter der Verlässlichkeit der teuren Technik doch noch nicht ganz über den Weg. Die Schränke sind gefüllt mit gelöteten Transistoren auf Steckkarten, die sich aneinanderreihen. Ein Robotron 300 computerisierte nicht nur die Wirtschaft. Er war auch ihr Produkt, ein Produkt hochtechnologischer Industriefertigung. Stolz prangt der Schriftzug „Made in DDR“ in schönstem Denglisch, selbst wenn seinerzeit noch die Inspiration und viele Teile aus dem Westen importiert werden mussten. Positiv gewendet nutzten die Techniker die Bedingungen einer sich langsam europäisierenden und globalisiernden Wirtschaft, um deren Produkten einen eigenen Touch zu geben.

Diesen eigenen Stil trägt auch das Zeiss Magnetband Gerät ZMB 30, ein herausragendes Exemplar des hochwertigen Industriedesigns der DDR. Die Magnetbänder waren die Voraussetzung für den Computereinsatz in der Wirtschaft, ließen sich auf ihnen doch große Datenmengen speichern, schnell schreiben und lesen und sie waren sogar mobil! Manch westliches Magnetbandgerät sah allerdings vielmehr wie die Mischung aus Blitzer und Verteilerkasten. Dagegen hebt sich das ZMB30 deutlich ab. Wie ein gespannter Bogen sieht sie aus, dazu bereit, das Industriezeitalter in die Digitale Moderne zu schießen – ohne dass ihr ein archaisches, kraftvolles Moment abgeht. Wie bei einem Bogen muss der Bediener das Magnetband um eine Reihe von Spulen fädeln, mit denen sich die großen Beschleunigungs- und Bremskräfte regulieren und sich das Band stets gespannt halten ließ. Diese Geräte waren es, welche die DDR digital machten. Nur mit ihnen konnte Zugriff genommen werden auf die großen Datenschätze der Organisationen, Betriebe und der Wissenschaft.

  • ZMB 30

In der Folge setzt sich die Sammlung chronologisch fort: Neben ESER-Rechnern und Kleincomputern stellen die Dresdner auch zahlreiche Analogrechner aus. Sie wurden in den Industriebetrieben eingesetzt, um durch elektronische Schaltungen das verhalten physischer Systeme durch Differenzialgleichungen zu simulieren. Eine Überraschung erwartete uns, als wir zum D4a Nikolaus Lehmanns zurückkehrten. Dort drehte eine Filmemacherin gerade einen Trickfilm zu Computergeschichte der DDR. Als Artist in Residence erschließt sich Katrin Rothe die Geschichte der DDR-Rechentechnik aus künstlerischer Perspektive. Wir sind gespannt. Zurück nach Berlin ging es schließlich vorbei an den ehemaligen Gebäuden von Robotron in der Dresdner Innenstadt. Noch stehen die Hälfte der Gebäude, die andere Hälfte sind bereits abgerissen. Groß prangt in blauen Lettern „M + M Computer“ über dem Gebäude. Am seitlichen Flügel findet sich sogar noch ein Schild, auf dem der Name Robotron prangt. Inmitten sozialistischer Moderne, die unterstützt von Pflasterkunst und Wasserspiel den Aufbruch ins Morgen symbolisierte, finden sich heute eine Skaterbahn und ein Hostel. Langfristig sollen die Gebäude Wohnhäusern weichen. Auch die Stadtverwaltung, passender Weise das „Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft“, möchte die Gebäude nicht länger nutzen. Schade eigentlich, gelang es der Stadt Dresden mit der Renovierung des Kulturpalast in direkter Nähe zur Frauenkirche doch deutlich besser als Potsdam, mit seinem sozialistischen Erbe umzugehen. Die Parallelen in der Fassadengestaltung von Potsdamer Rechenzentrum um dem Stammsitz von Robotron sind dabei unverkennbar. Das Digitale Zeitalter erbte die Standardisierung der Industrialisierung auch im Bauen.

  • Das ehemalige Robotron-Gelände

Text: Martin Schmitt

Fotos: Martin Schmitt, Janine Funke, CC 3.0

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