Konferenz – .computerisierung https://www.computerisierung.com Tue, 17 Sep 2019 11:58:37 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Neu erschienen: Histories of Computing in Eastern Europe https://www.computerisierung.com/?p=1134 https://www.computerisierung.com/?p=1134#respond Tue, 17 Sep 2019 11:58:37 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1134 Cover of the edited volume "Histories of Computing in Eastern Europe"

Leslie, Christopher und Martin Schmitt (eds.): Histories of Computing in Eastern Europe, Cham 2019.

Wie lässt sich eine Digitalgeschichte Mittel-Ost-Europas schreiben? Bisherige Darstellungen zum digitalen Wandel in der Zeitgeschichte konzentrierten sich stark auf westliche Industriestaaten und Japan. Auf einer internationalen Konferenz 2018 in Poznan fragte die Working Group 9.7 der International Federation of Information Processing nach den „Histories of Computing in Eastern Europe“. Heute erschien der von Christopher Leslie und Martin Schmitt gemeinsam herausgegebene Sammelband, der eine Auswahl der besten Paper präsentiert.

Aus dem Buchrücken:

This book constitutes the refereed post-conference proceedings of the IFIP WG 9.7 International Workshop on the History of Computing, HC 2018, Held at the 24th IFIP World Computer Congress, WCC 2018, in Poznań, Poland, in September 2018.

The 16 revised full papers were carefully reviewed and selected from 20 submissions. They reflect academic approaches to history along with the expertise of museum and other public history professionals as well as the experience of computing

and information science practitioners. The papers are organized in the following sections: Eastern Europe, Poland, Soviet Union, CoCom and Comecon; analog computing, and public history.
Leslie, Christopher und Martin Schmitt(Hrsg.): Histories of Computing in Eastern Europe: IFIP WG 9.7 International Workshop on the History of Computing, HC 2018, Held at the 24th IFIP World Computer Congress, WCC 2018, Poznań, Poland, September 19–21, 2018, Revised Selected Papers, Cham: Springer International Publishing 2019 (IFIP Advances in Information and Communication Technology 549), https://www.springer.com/978-3-030-29159-4
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Digitalgeschichte Mittel-/Osteuropas https://www.computerisierung.com/?p=1005 https://www.computerisierung.com/?p=1005#respond Sun, 23 Sep 2018 15:23:32 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1005 Digitalgeschichte ist nicht universal, sondern immer lokal gekoppelt. Dieser technikhistorische Grundsatz zeigte sich auf faszinierender Weise auf der diesjährigen Konferenz der IFIP Working Group 9.7 „History of Computing“. Als Teil des World Computer Congress in Poznan stellte die Gruppe inspiriert vom polnischen Konferenzort die Digitalgeschichte Mittel-/Osteuropas in den Mittelpunkt. Die Vorträge boten damit eine Horizonterweiterung über das US-amerikanische Meisternarrativ hinaus, das in den letzten Jahren immer wieder kritisch hinterfragt wurde. Sie basierten in weiten Teilen auf bisher unbekanntem Material oder Informationen.

Zum 24. mal organisierte die International Vereinigung der Informatiker IFIP ihren Weltkongress. Dieses Jahr entschieden sich die Macher für das historisch relevante Thema „This changed everything“. Die Arbeitsgruppe 9.7 ordnete ihre Tagung in dieses Motto ein und fragte nach Veränderungen und Kontinuitäten im ehemaligen Ostblock. Dabei war nicht nur das Gastgeberland gut vertreten: Neben Digitalhistorikern aus Polen erschienen Zeitzeugen, Museumsleiter und Historiker aus Ungarn, der Tschechoslowakei, Armenien, Lettland, Deutschland USA und der Sowjetunion. Sie gaben einmalige Einblicke in die Computerisierung mittel-osteuropäischer Länder. In ihrer Gesamtheit erlaubten sie so einen faszinierenden Rundblick. Thematisch reichten die Beiträge von der frühen Disziplinbildung der Informatik in Ungarn und der Tschechoslowakei, über erste Computerentwicklung, dem Wissenstransfer durch den Eisernen Vorhang wie innerhalb des RGW bis zu Fragen von Personal Computern in den 1980er-Jahren. Das abschließende Panel adressierte schließlich die Frage, wie sich in der Gegenwart Computergeschichte ins Museum bringen lässt.

Vladimir Kitov presenting at WG 9.7 conference „History of Computing in Eastern Europe“

Ein Highlight unter vielen war der sowjetische Informatiker und Leiter des ehemaligen Rechenzentrums von Gosplan, Vladimir A. Kitov. Er bot die Einblicke in den Stand sowjetischer Computeranwendung jenseits theoretischer Konzepte, die auf anderen Wegen bisher nur schwer zu erlangen waren. Schon als Person stellt er eine faszinierende Verbindung führender Computerforschung in der Sowjetunion dar: Er ist Sohn des bekannten sowjetischen Kybernetiker Kitovs und verheiratet mit der Tochter des großen sowjetischen Informatikers Viktor Gluschkow. Auch durch seine Arbeit für Monolith in den 1980er-Jahren, einem geheimen Forschungsinstitut des Sowjetischen Militärs, war er in der Lage, wissenschaftlich wertvolle Informationen über in den Stand der Computertechnik in der Sowjetunion zu präsentieren. Das gesamte Programm der Tagung kann hier abgerufen werden. Der Sammelband mit den überarbeiteten und erneut begutachteten Papern erscheint Ende diesen/ Anfang nächsten Jahres bei Springer.

 

Am letzten Konferenztag stand ein besonderes Ereignis auf dem Plan: Ein live Re-Enactment der Entschlüsselung einer Enigma-Nachricht in Bletchley Park mit Hilfe eines Nachbaus der „Bomba“, einem frühen, von Alan Turing mitentwickelten Elektronenrechner. Der Nachbau arbeitete zuverlässig und die Nachricht konnte entschlüsselt werden. Begleitet wurde der Vorgang von Vorträgen des Turing-Neffen Dermont Touring und Marek Grajek, dem Leiter des geplanten Enigma-Museums in Posen. Der ganze Vorgang wie auch die Vorträge wurde aufgezeichnet und kann auf der Webseite „Enigma live“ der IFIP nachgesehen werden.

Blick in das Rechenzentrum der TU Poznan

Abschließend lud der Leiter des Supercomputerzentrums der Universität Polen die Konferenzteilnehmer zu einer Besichtigung des Computerzentrums ein. Das 1993 gegründete Zentrum löste die eigene IT-Infrastruktur der Universität ab und versorgt seitdem Forschungsinstitute, lokale Verwaltung aber auch Bürger und kleine Unternehmen mit Rechenleistung. Es ist dabei auffällig, wie hochgradig standardisiert IT-Infrastruktur im 21. Jahrhundert geworden ist. Rechenzentren in Lugano, München oder Poznań gleichen sich fast vollständig in Architektur, Konzept und Aussehen, selbst wenn sich ihre technischen Leistungsdaten teilweise unterscheiden mögen. Die geschlossenen, klimatisierten, sirrenden Räume des Digitalen Zeitalters finden sich in allen großen Städten überall in der Welt. Es ist ihre Nutzung im kulturellen Kontext wie auch die Adaption durch Software, die sie unterscheidet.

 

Text: Martin Schmitt

Fotos: Martin Schmitt, CC BY 4.0

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Programm: Histories of Computing in Eastern Europe, Posen 2018 https://www.computerisierung.com/?p=999 https://www.computerisierung.com/?p=999#respond Sat, 15 Sep 2018 16:54:58 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=999 Seit heute ist das überarbeitete Programm für die Konferenz „Histories of Computing in Eastern Europe“ der  Working Group 9.7 auf dem IFIP World Congress 2018 an der Poznan University of Technology draußen: Programm HCEE 2018. Unter anderem wird unser Projektmitarbeiter Martin Schmitt einen Vortrag zum „Second life of a US army computer: The import of western information technology in GDR’s financial sector in 1965“ halten. Welche Rolle spielte Technologietransfer im Kalten Krieg für die frühe Digitalisierung? Weiterhin gibt es am Freitag die Poznan Bombe Roadshow (aka “Enigma Live”), auf der eine verschlüsselte Enigma Nachricht nach England übertragen, dort entschlüsselt und wieder zurückübertragen wird. Das Ganze wird live per Webstream übertragen.

Auszug aus dem Programm:

Panel 4: 09:30-11:00 (Hall 023 BT):
• Miroslaw Sikora, “Cooperating with Moscow, Stealing in California: PPR’s Legal and Illicit Acquisition of Know-How in the Area of Microelectronics in 1960-1990.”
• Martin Schmitt, “In Fear of Convergence? The Import of Western Computer Technology in the GDR; or, Following the Traces of a Machine through the Iron Curtain: The Computer Import of GDR’s State Bank in the 1960s.”
• Christopher Leslie, “CoCom, Comecon, Chincom, and Dot-Com: Technological Determinism in Economic Blockades, 1949-1994”

 

Text: Martin Schmitt

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CfP: 4th International Conference on History and Philosophy of Computing (HaPoC) https://www.computerisierung.com/?p=711 https://www.computerisierung.com/?p=711#respond Mon, 05 Dec 2016 15:29:43 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=711 Im Oktober 2017 wird die vierte Konferenz zur „History and Philosophy of Computing“ stattfinden. Konferenzort ist nächstes Jahr die tschechische Stadt Brno. Dort fand 1968 mitten im Prager Frühling die erste kybernetische Ausstellung zur Verbindung von Kunst und Computer innerhalb des Ostblocks statt. Aus diesem Grund widmet sich die Konferenz 2017 jenseits der Fragen nach Computerisierung und Technikgeschichte insbesondere der digitalen Kunst.

Hier der vollständige CfP:

The DHST/DLMPS commission for the History and Philosophy of Computing invites all interested researchers to the

4th International Conference on History and Philosophy of Computing (HaPoC)

Brno, 4-7 October 2017

In their societal impact, computers have grown way beyond their roots in mathematics and logic. Their ubiquity since the late 20th century has increased the number and impact of several of the original questions raised by early computer scientists and practitioners: questions about their expected and intended behaviour, as Alan Turing did when asking whether machines can think; questions about their ontology, as John von Neumann did when asking what the computer and the human brain have in common; questions about their role in performing human tasks, as Norbert Wiener did when asking whether automatic translation is possible. With new technologies, the need for rethinking formal and technological issues is crucial.

The computerisation of our lives can hardly leave anyone without opinion. HaPoC’s appeal to historical and philosophical reflection is an invitation to all: designers and manufacturers, computer practitioners, users and artists, logicians and mathematicians, and with the increasing ubiquity of the machine every citizen, with her own experience of the computer.

HaPoC conferences aim to bring together researchers exploring the various aspects of the computer from historical or philosophical standpoint. With Nathan Ensmenger we may say that facts do not change, but our understanding of them does. The series aims at an interdisciplinary focus on computing, rooted in historical and philosophical viewpoints. The conference brings together researchers interested in the historical developments of computing, as well as those reflecting on the sociological and philosophical issues springing from the rise and ubiquity of computing machines in the contemporary landscape. Past editions of the conference have successfully presented a variety of voices, resulting in fruitful dialogue between researchers of different backgrounds and characteristics. Celebrating the revolutionary exhibition Computer Graphic held in Brno in the spring of 1968, HaPoC emphatically extends the invitation to its fourth international conference to reflections on computers and art.

For HaPoC 2017 we welcome contributions from logicians, philosophers and historians of computing as well as from philosophically aware computer scientists and mathematicians. We also invite contributions on the use of computers in art. As HaPoC conferences aim to provide a platform for interdisciplinary discussions among researchers, contributions stimulating such discussions are preferable. Topics include but are not limited to:

– History of computation (computational systems, machines, mechanized reasoning, algorithms and programs, communities of computing and their paradigms,…)
– Foundational issues in computer science and computability (models of computability, Church-Turing thesis, formal systems for distributed, cloud and secure computing, semantic theories of programming languages, …)
– Philosophy of computing (computer as brain / mind, epistemological issues, …)
– Computation in the sciences (computer experiments and simulations, computer-aided systems for teaching and research, …)
– Computer and the arts (temporality in digital art; narration in interactive art work, speculative software, programming as a deferred action, computing and affect, performativity of code, eristic of HCI, …)

We cordially invite researchers working in a field relevant to the main topics of the conference to submit a short abstract of approximately 200 words and an extended abstract of at most a 1000 words (references included) through EasyChair at
https://easychair.org/conferences/?conf=hapoc2017

Accepted papers will be presented in 30 minute slots including discussion. Abstracts must be written in English. Please note that the format of uploaded files must be in .pdf. Submissions without extended abstract will not be considered.

Deadline for paper submission:
15 May 2017
Notification of acceptance:
15 July 2017
Conference fee:
EUR 150
A limited number of grants will be available.

The conference will be preceded by a special workshop on the reception of Hilbert’s axiomatic method in Eastern Europe on 3 October (Tuesday) – organized by Mate Szabó

Accompanying cultural programme will include the remake of the 1968 Brno exhibition Computer Graphic (featuring Frieder Nake and others), the first computer art exhibition in Eastern Europe, preceding Cybernetic Serendipity by several months, Live coding performance (inspired by the Exhibition Computer Graphic), the concert Exposition of New Music (contemporary music), and field recordings of Brno (student project).

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Call for Papers für die Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte 2017 https://www.computerisierung.com/?p=700 https://www.computerisierung.com/?p=700#respond Tue, 25 Oct 2016 10:36:30 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=700 Kommenden Mai trifft sich die Gesellschaft für Technikgeschichte zu ihrer Jahrestagung in Braunschweig. Der Call for Paper bezieht sich dabei explizit auf die Forschung zur Computerisierung. So wird danach gefragt „wie die Digitalisierung der Lebens- und Ar-beitswelt vonstatten ging, mit welchen Bildern, Symboliken, Visionen und Wahrnehmungsweisen sie verbunden war“. Beiträge können bis zum 16. Januar 2016 eingereicht werden.

 

Call for Papers für die Jahrestagung der Gesellschaft für
Technikgeschichte 2017
Veranstaltungsort: TU Braunschweig
19.-21.5.2017

Deadline: 16.1.2017

Technisierte Umwelten
Die Schaffung hoch¬techni¬sierter Umwelten und künstlicher
Räume basiert auf technischen Systemen und
Steuerungsansätzen, die auf eine Kontrolle von Natur und
natürlichen Prozes-sen abzielen. Dies trifft auf Reinräume
in den Produktionsstätten der Mikroelektronik ebenso zu
wie auf die Überlebenstechniken in Polarstationen oder
ABC-Panzern. Ob Treibhäuser, Plantagen, Parkland¬schaften
oder Systeme des Hochwasserschutzes, sie alle basieren auf
einer historisch gesehen zunehmenden Techni¬sierung von
natürlichen Umwelten.

Ziel der Jahrestagung der gtg 2017 ist es, historische
Prozesse zu untersuchen, die der Be-herrschung, Gestaltung
und Erschaffung von natürlichen und künstlichen Umwelten
sowie der Eroberung und Erschließung extremer oder
künstlicher Lebensräume dienen. Staudäm-me als Mittel der
Regulierung, Agrotechniken, die durch Imitation oder
Integration natürlicher Prozesse Produktivität erhöhen
sowie Labore oder Raumfähren, die technisch kontrollierte
Umwelten gestalten, sind nur einige Beispiele. Zuletzt
sind mit virtuellen Welten und „aug-mented realities“
sowie Biofakten neue Phänomene zu beobachten, bei denen
Technisie-rungsprozesse nicht nur Ansprüche auf
Beherrschung, sondern auch die Schaffung alternati-ver und
hybrider Naturen zu versprechen scheinen. Die Grenzen von
Natur und Technik werden so zunehmend in Frage gestellt
und neu definiert. Diese Technisierungsprozesse sind nicht
nur als reine Erfolgsgeschichten zu beschreiben. Gerade
auch das Scheitern und die Grenzen der Technik und ihrer
Durchsetzbarkeit sind von besonderem Interesse, z. B.
nicht-intendierte Nebenfolgen von großräumigen Eingriffen
in die Natur, wissenschaftliche und öf-fentliche Debatten
um risikoreiche Großtechnologien, aber auch „blinde
Flecken“ von Pla-nungseuphorie und technischen
Machbarkeitsphantasien.

Die Gesellschaft für Technikgeschichte ruft zur Einsendung
von Abstracts (max. 400 Worte) und CV zur Jahrestagung am
19. bis 21. Mai 2017 an der TU Braunschweig auf.
Vorschläge zu vollständigen Sektionen sind ausdrücklich
erwünscht, aber auch Einzelbeiträge willkom-men.
Vorschläge sind bis zum 16. Januar 2017 erbeten an:
gtg2017@tu-bs.de

Mögliche Themenfelder umfassen u.a.:

Virtuelle Räume, „Augmented Realities“
Die Geschichte von Computertechnologien ist, etwa in ihren
technik-, wissenschafts- und alltagshistorischen
Dimensionen, in den vergangenen Jahren verstärkt ins
Zentrum der ge-schichtswissenschaftlichen Forschung
gerückt. Für die Jahrestagung der gtg werden in die-sem
Zusammenhang Fragen danach relevant, wie die
Digitalisierung der Lebens- und Ar-beitswelt vonstatten
ging, mit welchen Bildern, Symboliken, Visionen und
Wahrnehmungswei-sen sie verbunden war. Zu Fragen wäre etwa
nach den Kontinuitäten und Brüchen, wenn historische
Panoramen und Dioramen durch digitale virtuelle Räume
abgelöst werden.

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IFIP Working Group 9.7 Konferenz: Internationale Entwicklergemeinschaften https://www.computerisierung.com/?p=595 https://www.computerisierung.com/?p=595#respond Fri, 27 May 2016 04:40:06 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=595 Welchen Einfluss hatten internationale Entwicklergemeinschaften auf die Architektur und Proliferation von Informationstechnologie? Zu dieser Frage begann am Mittwoch, 26.05.2016, in New York eine Konferenz der International Federation for Information Processing (IFIP). Die IFIP Arbeitsgruppe 9.7 hat sich seit vielen Jahren der Digitalgeschichte verschrieben und vereint im „Big Apple“ zahlreiche Größen des Fachs.

Den Auftakt zu der fünftägigen Tagung machte die Medienhistorikerin Nicole Starosielski, Assistant Professor an der New York University, mit ihrer Keynote zu den Unterseekabeln des Internet. In Kollaboration mit einem Grafiker entwarf sie eine interaktive Karte, mit deren Hilfe sich die Infrastruktur des Internet nachvollziehen lässt. Dabei stellt sie bewusst die linearen und kolonialen Narrative in den Hintergrund. Sie will die Geschichte des Internet und die Verbreitung seiner Kabel nicht ein weiteres Mal aus der Perspektive der USA oder Großbritanniens erzählen. Es gäbe schon genügend Arbeiten darüber, wie deren große Telekommunikations-Unternehmen die Welt unter sich aufteilten. Vielmehr interessiert Starosielski sich dafür, was an den lokalen Punkten der Seekabel passierte. Woher kamen die Menschen, welche die Kabel vor Ort installierten, warteten und betrieben? Wie trafen internationale Kommunikationsinteressen und lokale Interessen aufeinander? Immerhin läuft über diese Unterseekabel heute ein Großteil unserer Kommunikation, sozial, militärisch, ökonomisch wie auch politisch. Genügend Ersatzkapazität via Satellit gibt es nicht. In der Visualisierung surfacing kann dies jeder selbst nachverfolgen.
Surfacing Screenshot

Die Abkehr von linearen Narrativen: Surfacing als thematische Visualisierung der Unterseekabel des Internet

In der Karte drückt sich die Abkehr von linearen Narrativen dergestalt aus, dass die höchste Ebene der Karte keine geografische Übersicht bietet. Vielmehr zeigt sie eine in sich gefaltete thematische Übersicht der einzelnen Aspekte der Geschichte und der Verbreitung der Unterseekabel des Internet. Geordnet in Clustern wie „Kalter Krieg“, kulturellen Techniken der Seekabel vor Ort oder der Frage nach ökonomischen Marktkriterien bietet dies eine explorative und überraschend neue Art der Wissenspräsentation. Statt der oft daten-losen Karten der Netzwerke macht Starosielskis „surfacing“ den Blick frei für die dahinterliegenden Geschichten. Für mich stellte sich am Ende nur die analytische Frage: Inwiefern hängen denn jetzt die lokalen Interessen, der kulturelle Hintergrund der Kabelingenieure und die Infrastruktur des Internet zusammen, wie drücken sie sich ineinander aus? Und blieben die Kabelingenieure nicht eine internationale Elite? Starosielski bejahte dies einerseits, denn gerade die Kabelingenieure wurden von ihren Firmen gezielt abgeschirmt, um nicht dem lokalen „Rauschen“ ausgesetzt zu sein. Das „Rauschen“ bezeichnet in der Fachsprache die Hintergrundstörung, durch die hinweg ein Signal als „Ordnung“ übertragen werden muss. Im Falle der Ingenieure hieß dies aber eher, sie von den lokalen Bars abzuhalten und nüchtern zur Arbeit zu erscheinen. Andererseits bildeten sie trotz der häufigen Ortswechsel über die einzelnen Seekabelpunkte hinweg eine lokale Identität aus, die auch von den Firmen als Erdung gewünscht war. Ansonsten konnten Geschichten wie in Kalifornien passieren, was die Infrastruktur des Netzwerkes nachhaltig prägte: Die lokalen Fischer und Umweltaktivisten wehrten sich dagegen, dass die Kabel in ihrem Gebiet anlandeten. Die Proteste führten dazu, dass die Kabel schließlich nach Portland verlegt wurden.
Telestar, der erste zivile Kommunikationssatellit, ausgestellt in den Bell Laboratories

Telestar, der erste zivile Kommunikationssatellit, ausgestellt in den Bell Laboratories

Um alternativen Formen der Kommunikation ging es im zweiten Teil des Konferenztages. Ein Besuch bei den berühmten Bell Labs stand auf dem Programm, heute in Besitz von NOKIA. Nur etwa eine Stunde außerhalb von New York City auf den Murray Hills gelegen, sind die Bell Labs einer der Ursprungsorte des Informationszeitalters. Das wird durchaus betont. Die Bell Laboratories schreiben sich auf die Fahne, „to invented nearly everything“. Dementsprechend ging es in der Führung um sehr viele „firsts“: Das erste Telefon, die erste mobile Funkübertragung von Sprache, der erste Transistor, Shannons Informationstheorie, der erste zivile Kommunikationssatellit, die Entwicklung von UNIX oder der Programmiersprache C++ – viele Grundsteine für das Informationszeitalter wurden hier gelegt. So wurden uns nicht nur die Artefakte gezeigt, sondern auch eine Führung durch das zumeist noch im Originalzustand erhaltene Gebäude gegeben. Nicht nur die Artefakte bekamen hier eine Aura zugeschrieben, auch der Ort selbst als mythisch beschworen. NOKIA als neuer Inhaber der Bell Labs ist dabei bereits bestens in das Narrativ integriert. Die Führung begann mit einem „connecting people“. Jenseits heroischer Erzählung ist der Besuch bei den Bell Labs aber absolut lohnenswert und die Ausstellung zeichnet sich durch moderne Museumspädagogik aus, welche den Besucher angesichts der Vielzahl an Erfindungen nicht erschlägt, sondern durch das Museum führt.

Text: Martin Schmitt
Fotos: Martin Schmitt, Titelbild: Der erste Transistor.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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The making of myth in the Digital Age https://www.computerisierung.com/?p=576 https://www.computerisierung.com/?p=576#respond Wed, 11 May 2016 09:52:02 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=576 Wie historische Mythen entstehen: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller ruft Berlin als den Geburtsort des Digitalen Zeitalters aus. Man kann förmlich dabei zusehen, wie auf dem Symposium „The Digital Future“ eine Gründungsgeschichte  geschrieben wird, die Orientierung und Sinn stiften soll. Vor 75 Jahren stellte hier Konrad Zuse seinen Z3 Computer fertig. Aber macht das schon das Digitale Zeitalter aus? 

 

Foto: Martin Schmitt

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FinTechs auf dem Vormarsch? https://www.computerisierung.com/?p=571 https://www.computerisierung.com/?p=571#respond Mon, 09 May 2016 21:27:52 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=571 FinTechs waren in diesem Jahr ein wichtiges Thema auf der Netz-Konferenz re:publica in Berlin. Die Deutsche Welle interviewte unseren Projektmitarbeiter Martin Schmitt zu deren Genese und dem derzeitigen Stand der Dinge 2016. Das Interview ist in Auszügen hier nachzulesen: FinTechs auf dem Vormarsch, Deutsche Welle, 3.5.2016. http://www.dw.com/de/fintechs-auf-dem-vormarsch/a-19232815

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VCFe in München https://www.computerisierung.com/?p=564 https://www.computerisierung.com/?p=564#respond Fri, 29 Apr 2016 07:53:25 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=564 An diesem Wochenende findet in München das 17. Vintage Computing Festival Europe statt. Vom 30. April – 1. Mai gibt es dort die Möglichkeit, alte Computerhardware zu entdecken, mit deren Entwicklern ins Gespräch zu kommen und sich über historische Software auszutauschen. Schwerpunkt Thema ist diesmal „Computer als Beruf(ung)“. Unter anderem wird Stefan Höltgen einen Vortrag zur Medialität des Computers halten und Dirk Kahnert zeigen, wie sich ein Betriebssystem auf den alten DDR-Kleinrechner  KC 85 portieren lässt.

Zum siebzehnten Mal kommt das VCF am Wochenende vom 30. April und 1. Mai 2016 in unser schönes München.

Ziel des Vintage Computer Festivals ist es den Erhalt und die Pflege ‚historischer‘ Computer und anderer (E)DV Gerätschaften zu fördern, das Interesse in ‚überflüssiger‘ Hard- und Software zu wecken und vor allem den Spaß daran auszuleben.

Das VCF ist nicht nur im kalifornischen Silicon Valley ein regelmäßiges Ereignis sondern inzwischen auch ein fixer Punkt in den europäischen Terminplänen.

Also lasst uns zurückkehren in die Guten Alten Tage, als Hacker noch keine Sicherheitsberater, Bytes noch keine Megabytes und Kleine Grüne Männchen noch Kleine Gruene Maennchen waren!

http://www.vcfe.org/D/

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HaPoC 2015: 3rd International Conference on the History and Philosophy of Computing https://www.computerisierung.com/?p=338 https://www.computerisierung.com/?p=338#respond Tue, 28 Jul 2015 12:51:49 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=338
Vom 8.-11. Oktober 2015 findet in Pisa die dritte Konferenz zur Geschichte und Philosophie des Computing statt. Ausgerichtet wird diese von der DHST Commission for the History and Philosophy of Computing. Das Call für Paper ist bereits geschlossen, die Anmeldung wird in Kürze freigeschalten.

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