Tagung – .computerisierung https://www.computerisierung.com Mon, 20 Feb 2017 13:01:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Abschlusstagung: „Wege in die digitale Gesellschaft. Computer und Gesellschaftswandel seit den 1950er Jahren“, 30.-31. März 2017, Potsdam https://www.computerisierung.com/?p=751 https://www.computerisierung.com/?p=751#respond Mon, 20 Feb 2017 13:01:31 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=751 Welche Verbindung gab es zwischen digitalem und sozialem Wandel in Deutschland zwischen 1950-1990? Diese Frage stand von Beginn an im Mittelpunkt unseres von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Forschungsprojektes. Nach zweieinhalb Jahren Projektlaufzeit ist nun der Moment gekommen, die Ergebnisse unserer Untersuchungen mit der breiten Fachöffentlichkeit zu diskutieren. Hierzu laden wir herzlich vom 30.-31. März 2017 an das ZZF Potsdam. Das vollständige Programm:

Zeit: 30.-31. März 2017
Beginn: Donnerstag, 30. März 2017, 10.00 Uhr
Ort: Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, Am Neuen Markt 9d, 14467 Potsdam
(Eine Anfahrtsbeschreibung finden Sie hier)

Veranstalter: Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Organisation: Prof. Dr. Frank Bösch

Anmeldung:
Bis 23. März 2017 unter: koettnitz@zzf-potsdam.de
(Bitte mit Nennung der akademischen Anbindung und der Arbeitsschwerpunkte)

Die Etablierung des Computers zählt zu den wichtigsten gesellschaftlichen Veränderungen der jüngeren Zeitgeschichte. Bereits seit den 1950er Jahren setzten große Unternehmen, Behörden und das Militär Computer ein. Schon die Zeitgenossen diskutierten intensiv die Folgen der Computerisierung und bewerteten sie als einen tiefgreifenden Umbruch. Dennoch hat sich die Zeitgeschichtsforschung bislang kaum mit den Folgen der digitalen Veränderungen beschäftigt.

Die Tagung fragt nach den Verbindungen zwischen dem digitalen und sozialen Wandel. Sie untersucht die Wahrnehmungen, Gebrauchsweisen und die gesellschaftlichen Folgen der Computernutzung vor dem Internetzeitalter. Klassische Themen der Zeitgeschichtsforschung, wie die Geschichte der Arbeit, des Wohlfahrtsstaats und des Bankenwesens, der polizeilichen Überwachung oder des subversiven Protests, werden so neu perspektiviert.

Einen Schwerpunkt der Tagung bildet die Frage, auf welche Weise die digitale Datenverarbeitung Kontroll- und Machtgefüge veränderte. Dabei wird neben der Bundesrepublik auch die Computernutzung in der DDR betrachtet, um spezifisch sozialistische Entwicklungen und Interaktionen mit dem Westen auszumachen.

 

Das Programm finden Sie auch als Tagungsprogramm_Computerisierung_ZZF und auf der Webseite des ZZF Potsdam, auf der auch aktuelle Änderungen bekannt gegeben werden.

Text: Martin Schmitt, ZZF Potsdam

Bild: Martin Schmitt.

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Tagungsbericht: Grundlagen der Digitalisierung https://www.computerisierung.com/?p=741 https://www.computerisierung.com/?p=741#respond Sun, 29 Jan 2017 12:16:51 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=741 Im November 2016 richtete der SFB „Medien der Kooperation“ der Universität Siegen einen kleinen Workshop zu den Grundlagen der Digitalisierung aus. Im Mittelpunkt standen dabei die 1970er- und 1980er-Jahre als „Schwellenjahre der Digitalisierung“ sowie Fragen nach den Ursachen für den Wandel vom analogen ins digitale Zeitalter. Auf dem Geschichtsportal H/Soz/Kult ist nun der Tagungsbericht erschienen, geschrieben von Nicole Schäfer unter Betreuung von Christian Henrich-Franke, Universität Siegen.

Zum Tagungsbericht „Grundlagen der Digitalisierung“ von Nicole Schäfer.

Text: Martin Schmitt

Bild: CC0 Public Domain

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Heinz-Nixdorf-Kolloquium 2016: Vernetzte Welten https://www.computerisierung.com/?p=660 https://www.computerisierung.com/?p=660#respond Mon, 05 Sep 2016 11:28:21 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=660 Viel wurde bisher geschrieben über die Entwicklung von Computernetzwerktechnologie und deren gesellschaftlichen Einsatz in den Vereinigten Staaten. Weniger ist bekannt darüber, wie eigentlich die Vernetzung Deutschlands sich vollzog. Dieser Frage soll im diesjährigen Heinz-Nixdorf-Kolloquium „Vernetzte Welten“ vom 24.-25. Oktober auf den Grund gegangen werden. Neben zahlreichen Wissenschaftlern wie Peter Sloterdijk oder Marc Weber vom CHM in Kalifornien wird auch unser Projektmitarbeiter Martin Schmitt dort einen Vortrag zu „Vernetzen Bankenwelt“ halten. 

Heinz-Nixdorf-Kolloquium 2016: Vernetzte Welten
24./25. Oktober 2016
Das Heinz-Nixdorf-Kolloquium, eine gemeinsame Tagung des Historischen Instituts der Universität Paderborn und des Heinz Nixdorf MuseumsForums, möchte die Faszination der vernetzten Welten interdisziplinär beleuchten. Neben einem theoriegeleiteten Zugriff auf eine europäische Vernetzungsgeschichte wird auch aus der Internet-Praxis berichtet.

Prof. Dr. Peter Sloterdijk betrachtet am Abend des 24. Oktobers das Thema aus seinem philosophisch-ästhetischem Blickwinkel. Welche Auswirkungen hat das digitale Zeitalter? Vor welchen Herausforderungen wird die Menschheit durch die vernetzte Welt gestellt?
Programm:
Montag, 24. Oktober 2016
11.30 Uhr: Anmeldung und Mittagsimbiss

12.30 Uhr: Begrüßung
Dr. Jochen Viehoff, Geschäftsführer Heinz Nixdorf MuseumsForum

12.45 Uhr: Einführung in die Tagung
Prof. Dr. Peter E. Fäßler, Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Historisches Institut, Universität Paderborn

13.15 Uhr: Netzvisionen: Utopien und Planungen zur vernetzten Welt im 20. Jahrhundert
Prof. Dr. Noyan Dinçkal, Universität Siegen
Vortrag mit anschließender Diskussion

14 Uhr: Kaffeepause

14.30 Uhr: Nixdorf Computer AG – Pionierunternehmen der digitalen Vernetzung
Dr. Horst Nasko, ehem. Vorstandssprecher der Nixdorf Computer AG
Zeitzeugenbericht

15 Uhr: Führung durch die Dauerausstellung des Heinz Nixdorf MuseumsForums

16.45 Uhr: “European Informatics Network” – Das Netzwerk, das keiner wirklich wollte
Mariann Unterluggauer, Wissenschaftsjournalistin, Wien
Vortrag mit anschließender Diskussion

17.30 Uhr: Abendessen im Bistro Hotspot

19 Uhr: Die vernetzte Welt als kulturelle Herausforderung
Abendvortrag von Prof. Dr. Peter Sloterdijk
Öffentliche Veranstaltung

Anschließend Möglichkeit zum Gedankenaustausch und kleiner Imbiss

Dienstag, 25. Oktober 2016
9 Uhr: Das Internet wird physisch – Berichte aus der Praxis
Jürgen Ridder, ehem. Leiter des Competence Center Submarine Cables (Seekabelendstelle), Norden
Vortrag mit anschließender Diskussion

9.45 Uhr: Vernetzte Bankenwelt
Martin Schmitt M.A., Doktorand, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Vortrag mit anschließender Diskussion

10.30 Uhr: Kaffeepause

11 Uhr: Six networks that changed the world
Dr. Tilly Blyth, Science Museum London
Vortrag in engl. Sprache mit anschließender Diskussion

11.45 Uhr: @HOME – Auswirkungen des digitalen Zeitalters
Dipl.-Inf. Anja Teuner, Deutsches Museum München
Vortrag mit anschließender Diskussion

12.30 Uhr: Kurze Pause

12.45 Uhr: Networks in USA
Marc Weber, Computer History Museum Mountain View, CA
Vortrag in engl. Sprache mit anschließender Diskussion

13.30 Uhr: Schlusswort
Dr. Jochen Viehoff, Geschäftsführer Heinz Nixdorf MuseumsForum

Anschließend Ausklang des HNK

Mittagessen im Bistro Hotspot

Webseite: http://www.hnf.de/termine/events/heinz-nixdorf-kolloquium-2016.html

 

Text: Martin Schmitt

Bild: The Opte Project – Originally from the English Wikipedia; description page is/was here., CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1538544

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Die Zukunft der Digitalgeschichte https://www.computerisierung.com/?p=615 https://www.computerisierung.com/?p=615#respond Mon, 13 Jun 2016 12:56:40 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=615 Wohin entwickelt sich die history of computing? Und welche Rolle spielt dabei die Anfangszeit des Digitalen Zeitalters? Diese Frage stand im Zentrum eines kleinen Workshops in Siegen am vergangenen Wochenende (10.-12. Juni 2016). Organisiert von Thomas Haigh kamen hier Historiker/innen, Medienwissenschaftler/innen und Informatiker/innen aus ganz Europa zusammen, um über „Beyond ENIAC. Early Digital Platforms and Practices“ zu diskutieren. 

Der Medienwissenschaft der Universität Siegen gelang es zuletzt, einen umfangreichen Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ bei der  DFG einzuwerben. Im Rahmen dessen konnte Thomas Haigh, Wirtschaftshistoriker und einer der prominentesten Figuren der history of computing, als Comenius-Gastprofessor gewonnen werden, der diesen Workshop organisierte. In seinem Auftaktstatement stellte er die Frage, wo genau die Digitalgeschichte („history of computing“) zu verorten sei und welche Zukunft für sie anzustreben sei. Digitalgeschichte sei dabei nicht zerrissen zwischen Medienwissenschaft, Technikgeschichte und Informatik, sondern vielmehr ein Bindeglied zwischen diesen Disziplinen. Mit ihr werde es möglich, Wissenschaftler der einzelnen Fachrichtungen miteinander sprechen zu lassen – wofür der Workshop der beste Beweis war. Von den frühen Computerprojekten wie ENIAC und Colossus über die Identitätsbildung der Programmierer in Europa oder der Sowjetunion bis hin zum Einfluss der minimalistischen Logik auf die Architektur früher Maschinen reichte das Themenspektrum, das dem Programm des Workshops zu entnehmen ist. An dieser Stelle sollen nur drei Vorträge heraus gegriffen werden, die aus der Perspektive des Computerisierungs-Projektes mit Schwerpunkt auf der gesellschaftlichen Nutzung und den Veränderung der Computertechnologie als besonders interessant eingeschätzt werden.
Mark Priestly zeigt den "Master Progammer" im ENIAC

Mark Priestly zeigt den „Master Progammer“ im ENIAC auf dem Workshop Early Digital in Siegen. (Martin Schmitt)

Selbst wenn der Workshop relativ offen zum Thema #earlydigital ausgeschrieben wurde, so waren doch deutliche Interessenschwerpunkte der anwesenden Wissenschaftler erkennbar. Einer dieser Schwerpunkte war die Frage nach den frühen Arbeitern und Nutzern, welche die Computer bauten und einsetzten. Wie wurden sie ausgebildet, was für ein Selbstverständnis bildeten sie aus? Thomas Haigh und Mark Priestley machten dazu einen Aufschlag, indem sie angelehnt an ihr neustes Buch zur Geschichte des ENIAC nach dessen „Lost Labors“ fragten. Der ENIAC, entwickelt und gebaut von 1942 – 1946 in den USA, war einer der ersten speicher-programmierten Rechner und entscheidend für die weitere Computerentwicklung. Haigh und Priestly zeigten gestützt auf Archivmaterial auf, wie nicht nur die berühmten „sechs Frauen“ des ENIAC diesen programmierten, sondern auch eine beachtliche Zahl derjenigen Ingenieure Frauen waren, die ihn zusammensetzten und aufbauten. Oder anders gesagt: Es reiche nicht, die bisherige Computergeschichte von den großen Männern und ihren Maschinen um einige wenige große Frauen zu ergänzen. Viel entscheidender ist es aufzuzeigen, wie Frauen von Beginn an gleichermaßen in Aufbau und Nutzung der Computer integriert waren und somit maßgeblich zu Computerisierung der Gesellschaft beitrugen. So stellt sich die Frage, wie ein Computer und seine Entstehung über die Zeit erinnert wird – und wann. Beispielsweise erinnerten die Zeitgenossen den ENIAC in den 1960er-Jahren hauptsächlich als groß und klobig. Gleichzeitig feierten spätere Historiker ihn hauptsächlich als Meilenstein auf dem Weg zum modernen Computer, vernachlässigten dabei aber, wie der Computer zum Einsatz kam.  Er wurde als Konzept erinnert, nicht als arbeitende Maschine. Die Software des ENIAC wurde vergessen, obwohl der Computer selbst berühmt wurde. Ganz entscheidend zu seiner Berühmtheit trug eine organisierte Öffentlichkeitsarbeit bei. So wurden Journalisten bereits zwei Wochen vor der eigentlichen, feierlichen Inbetriebnahme in die Computerräume eingeladen. Nur so schaffte es der ENIAC 1946 auf das Titelcover der New York Times. Die Bedeutung öffentlicher Ereignisse und Publizität zeigte sich auch in anderen Computerprojekten. Der britische Colossus Computer war lange Zeit der Geheimhaltung unterlegen und daher wenig erinnert. Aber auch in Deutschland lässt sich das Phänomen betrachten, wie historische Faktizität durch Großveranstaltungen zu schaffen versucht wird, wenn in Berlin kürzlich der Zuse Z3 völlig unhinterfragt zum ersten Computer ausgerufen wurde.

Eine vergleichbare Fragestellung trieb dabei Ksenia Tatarchenko um, die an der Universität Genf Sowjetische Geschichte lehrt. Wie konnte sich in einem Berufsfeld der Programmier/innen, das in der Sowjetunion von Frauen geprägt war, ein dominantes männliches Rollenbild durchsetzen? An Hand der Programmierergruppe um den Informatiker Andrej Petrowitsch Erschow  und seinen Kontakten mit westlichen Wissenschaftler zeigte sie die offene Welt des Kalten Krieges in Zeiten geschlossener Welten. Gerade in den Westkontakten, so Tatarchenko, reproduzierte sich das männliche dominierte Bild des Programmierers. Sie verstärkten das durch Erschow als Gruppenleiter geprägte männliche Rollenverständis in Sowjetunion ab dem Moment, ab dem der Beruf des Programmierers auch für die männliche Arbeiterschaft zu einer lukrativen Position wurde und Vorbilder suchten. Abschließend ist festzuhalten, dass an den Ausführungen Tatarchenkos ein sozialistischer Weg in das Informationszeitalter sichtbar wird, der keine Alternativgeschichte darstellt, sondern eine stark mit westlichen Entwicklungen verzweigt war. Dies ist eine Erkenntnis, die sich auch in den Projekten unserer Projektgruppe widerspiegeln.

Die Ergebnisse der Programmierer/innen war Software. Die ganz verschiedenen Arten der Software, die dabei geschaffen wurden, durchzogen auch den Workshop in Siegen. So begann der Samstagmorgen mit einer Roundtable-Diskussion über die Ursprünge der Betriebssysteme. Maarten Bullynck von der Universität Paris stellte einige einleitende Fragen: Was ist überhaupt ein Betriebssystem? Es gäbe zahlreiche Kandidaten, die in diesen Kreis gezählt werden könnten wie LINUS, DOS oder OS/360, aber was qualifiziert diese Systeme eigentlich als Betriebssysteme? Welche Teile davon sind noch Betriebssystem, welche bereits Applikation? So stellt er fest, dass der Begriff unschärfer ist, als es die meisten Wissenschaftler annehmen. Vor allem in Bezug auf die Anfangsjahre des Digitalen Zeitalters. Weiterhin fragt er, was denn fehle in der Geschichte der Betriebssysteme, wie sie bisher geschrieben wurde. Hier fielen ihm besonders der Mangel an Komplexität und das Fehlen des Nutzers auf. Zwar habe jeder Entwickler immer einen antizipierten Nutzer im Kopf. Gerade die Nutzung in einer Ko-Konstruktion der Technologie sei aber entscheidend für die Entstehung der Betriebssysteme in ihrer heutigen Form gewesen. Jenseits der Forschungen zu Xerox Park fehlte es hier noch an historischen Analysen. Der Niederländer Historiker Gerard Alberts hob hervor, dass ein Betriebssystem hauptsächlich das automatisiere, was zuvor Menschen getan hätten, genauer gesagt  die Operatoren. Das Betriebssystem übernehme die Hausarbeiten der Systeme und entlaste den Nutzer von wiederkehrenden, grundlegenden Routineaufgaben. Angelehnt an Maarten Bullynck wies er auf die niederländische Verwendung des Wortes „Komplex“ hin, die für das Betriebssystem benutzt wurde. Betriebssysteme seien ein „Meta-“ oder „Super-„Programme, aber er ziehen den Begriff Komplex vor, da er auf die unterschiedlichen Elemente hinweist, die sich im Betriebssystem vereinigen. Auch Pierre Monier-Kuhn, Digitalhistoriker Frankreichs seit über 20 Jahren, wies auf die Unterschiedlichen Begriffe hin, die in den 1960er-Jahren in Frankreich mit dem heute ubiquitären „Operating System“ konkurrierten: monitor, supervisor, software de base. Auch in Deutschland, , so ist hier anzufügen, wurde lange der Begriff „Basissoftware“ verwendet, beispielsweise in den Sparkassen der Bundesrepublik und der DDR in ihrem Einsatz von Software.

Im Zentrum der öffentlichen Keynote von Martin Campbell-Kelly, wohl einem der bekanntesten Digitalhistoriker, stand ebenfalls das Thema Software. Anhand früher Programme des EDSAC, einem der drei ersten britischen Computerprojekte, führte er vor, wie auch Historiker Code als Quelle begreifen können. In akribischer Kleinarbeit analysierte er die Ursprünge der ersten Programme und wie diese den Programmierstil späterer Generationen bestimmten. So lassen sich die Notation Maurice Wilkes, eines frühen Computeringenieurs, später nicht nur in Handbüchern der IBM wiederfinden, sondern auch in den Publikationen John von Neumanns. Auf einem Emulator ließ er den Code Wilkes ausführen und erzielte nach mehreren Durchläufen die ursprünglichen Ergebnisse. Dadurch erhielt er Einblick in die Denkwelten und in die Probleme, vor denen Programmier/innen standen. Eine Quellenkritik des Code wird mit den Methoden Campbell-Kellys erkennbar.
Spannender Weise kam es im Feld des Programmierens, ähnlich wie in den Sparkassen und Rentenversicherungen in Hinblick auf die Massen-Transaktionen, bereits sehr früh zu einer Formalisierung in Form von Formularen. Aber auch hier zeigte sich, worauf Thomas Haigh zuvor hingewiesen hatte: Die EDSAC als programmierte Maschine veränderte sich in der Zeit von ihrer Entwicklung bis hin zu ihrem produktiven Betrieb im Dienste der Wissenschaft immer wieder. Sie ist nicht als eine konstante Maschine zu begreifen, sondern als ein sich verändernder Prozess – das gilt ebenso für ihre Programme. Die EDSAC war nachfolgend die Vorlage für den sehr erfolgreichen Business-Computer LEO I der Lyons Company. Dort waren allerdings andere Eigenschaften angesichts der Massendatenverarbeitung gefragt: Repetitive Funktionen, sehr viel mehr Daten, viel weniger Code-Zeilen und es war mehr Speicher notwendig. Das fiel Wilkes auf, als er Anfang der 1950er-Jahre den LEO begutachtete.
Zusammenfassen lässt sich der Workshop als eine gelungene Kombination unterschiedlicher Interesse unter dem Stichwort „Early Digital“ als Frühzeit der Computerisierung. In den nächsten Jahren sollen weitere Veranstaltungen dazu in Siegen folgen. Durch die stärkere Vernetzung und durch überzeugende Monografien kann es gelingen, die Digitalgeschichte in einem breiteren Umfeld zu etablieren und zu institutionalisieren.
Text: Martin Schmitt
Titelbild: ENIAC (Electronic Numerical Integrator And Computer) in Philadelphia, Pennsylvania. Glen Beck (background) and Betty Snyder (foreground) program the ENIAC in building 328 at the Ballistic Research Laboratory (BRL). https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eniac.jpg, Rechte: public domain
Bild: Martin Schmitt
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VCFe in München https://www.computerisierung.com/?p=564 https://www.computerisierung.com/?p=564#respond Fri, 29 Apr 2016 07:53:25 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=564 An diesem Wochenende findet in München das 17. Vintage Computing Festival Europe statt. Vom 30. April – 1. Mai gibt es dort die Möglichkeit, alte Computerhardware zu entdecken, mit deren Entwicklern ins Gespräch zu kommen und sich über historische Software auszutauschen. Schwerpunkt Thema ist diesmal „Computer als Beruf(ung)“. Unter anderem wird Stefan Höltgen einen Vortrag zur Medialität des Computers halten und Dirk Kahnert zeigen, wie sich ein Betriebssystem auf den alten DDR-Kleinrechner  KC 85 portieren lässt.

Zum siebzehnten Mal kommt das VCF am Wochenende vom 30. April und 1. Mai 2016 in unser schönes München.

Ziel des Vintage Computer Festivals ist es den Erhalt und die Pflege ‚historischer‘ Computer und anderer (E)DV Gerätschaften zu fördern, das Interesse in ‚überflüssiger‘ Hard- und Software zu wecken und vor allem den Spaß daran auszuleben.

Das VCF ist nicht nur im kalifornischen Silicon Valley ein regelmäßiges Ereignis sondern inzwischen auch ein fixer Punkt in den europäischen Terminplänen.

Also lasst uns zurückkehren in die Guten Alten Tage, als Hacker noch keine Sicherheitsberater, Bytes noch keine Megabytes und Kleine Grüne Männchen noch Kleine Gruene Maennchen waren!

http://www.vcfe.org/D/

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