Martin Schmitt – .computerisierung https://www.computerisierung.com Thu, 20 Oct 2022 15:30:04 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Rezension zu: Martin Schmitt, Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft https://www.computerisierung.com/?p=1342 https://www.computerisierung.com/?p=1342#respond Thu, 20 Oct 2022 15:30:01 +0000 https://www.computerisierung.com/?p=1342 Im November 2021 erschien die Dissertation von Martin Schmitt, „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Computereinsatz in den Sparkassen der Bundesrepublik und der DDR“ im Wallsteinverlag. Inzwischen erscheinen die ersten Besprechungen zum Buch. So steigt Christopher Kopper, Wirtschaftshistoriker an Universität Bielefeld, in seiner Rezension bei SEHEPUNKTE damit ein, dass der „Titel dieser Dissertation … sehr viel spezieller [klingt], als das Thema tatsächlich ist“. Demgegenüber stellt fest: „In der deutschsprachigen Forschung ist Schmitts Buch die erste monographische Publikation über die Technik- und Wirtschaftsgeschichte der Digitalisierung.“ Lesen Sie die komplette Rezension auf http://www.sehepunkte.de/2022/10/36574.html

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Weizenbaum Studienpreis 2021 (3. Preis) für Martin Schmitt https://www.computerisierung.com/?p=1302 https://www.computerisierung.com/?p=1302#respond Sat, 13 Nov 2021 18:07:40 +0000 https://www.computerisierung.com/?p=1302 Martin Schmitt (TU Darmstadt & ZZF Potsdam) erhält den Weizenbaum Studienpreis 2021 des Forums der InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (3. Platz). Ausgezeichnet wird seine Dissertation „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Computereinsatz in den Sparkassen der Bundesrepublik und der DDR, 1957-1991“. 

Die Jury hob vor allem die kritische Perspektive Martin Schmitts auf die Geschichte der Digitalisierung hervor, welche die Arbeit besonders auszeichne. Laudator Rainer Rehak fasste zusammen, wie Martin Schmitt in großer Länge die ambivalente Entwicklung der Digitalisierung der Kreditwirtschaft nachzeichnete. Die Länge der Arbeit halte dabei nicht vom Lesen ab, so Reha stellvertretend für die prominent besetzte Jury, sondern erlaube durch das intensive Quellenstudium und die Berücksichtigung auch internationaler Entwicklungen einen tiefgehenden und umfassenden, gut lesbaren Überblick über eine Prozess, der bis in die informationstechnische Gegenwart reiche.

Logo des Weizenbaum Studienpreises mit Darstellung von Joseph Weizenbaum
Weizenbaum Studienpreis des FIfF

Das FIfF stiftet den Weizenbaum-Studienpreis in Erinnerung an den Wissenschaftler und Informatik-Pionier Professor Dr. Joseph Weizenbaum in Würdigung seiner Verdienste um einen kritischen Blick auf die Informatik. Joseph Weizenbaum war an der Gründung des FIfF maßgeblich beteiligt, wirkte lange Zeit im Vorstand mit und trug durch seine wissenschaftlichen Leistungen und seine anti-militaristische und friedensorientierte Haltung zu den Zielen des FIfF bei.

Mit der Vergabe des Preises möchte das FIfF auch die Bedeutung der Informatik für die gesellschaftliche Entwicklung betonen und auf die kritische, öffentliche Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen und Artefakten der Informatik dringen. Mit dem Weizenbaum-Studienpreis würdigt das FIfF herausragende Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses in diesem Bereich und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema sowie die besonderen Leistungen des Autors bzw. der Autorin lenken.

Das Forum InformatikerInnen für den Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (FIfF) „wurde 1984 – also vor mehr als 30 Jahren – aus einer historischen Situation heraus gegründet, als es galt, das Schweigen einer Zunft zu brechen, die so maßgeblich an der Entwicklung automatisierter und informatisierter Kriegsführung beteiligt war. Die Gründungsmitglieder leisteten dem NATO-Doppelbeschluss offen Widerstand, sie wollten die Informations- und Kommunikationstechnologie vor allem als Mittel der Völkerverständigung genutzt wissen.“ Kurz: Das FIfF setzt sich dafür ein, dass Informationstechnik im Dienst einer lebenswerten Welt steht.

Martin Schmitt erhält Weizenbaum Studienpreis 2021 (3. Platz); Laudator Rainer Rehak
PreisträgerInTitel der Arbeit und LinkHochschule
1Hendrik HeuerUsers & Machine Learning-Based Curation SystemsUniversität Bremen
 2Helene HahnDigital identification systems and the right to privacy in the asylum contextLeuphana Universität Lüneburg
3Silke MeiserTrust me! Vorschlag zum Umgang mit der Vertrauensfrage im digitalen ZeitalterCarl von Ossietzky Universität Oldenburg
3Martin SchmittDie Digitalisierung der KreditwirtschaftUniversität Potsdam
Die vier PreisträgerInnen mit Link auf die Arbeiten. Quelle: FIfF

Text: Martin Schmitt / FIfF
Fotos: Martin Schmitt / FIfF

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Die Geschichte des Potsdamer Rechenzentrums: Sozialistische Computernutzung und die Digitalisierung in Ostdeutschland https://www.computerisierung.com/?p=1228 https://www.computerisierung.com/?p=1228#respond Fri, 26 Jun 2020 16:35:54 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1228 Auf welcher Nutzungsidee basierte der Bau des einst „Datenverarbeitungszentrums“ genannten Baus? Welche technologischen und gesellschaftlichen Konzpete lagen diesem zu Grunde? Martin Schmitt wirft in seinem Beitrag einen technikhistorischen Blick auf den politisierten Ort: „Die Geschichte des Potsdamer Rechenzentrums: Sozialistische Computernutzung und die Digitalisierung in Ostdeutschland“ auf lernort-garnisonkirche.de/?p=456

 

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Digitalgeschichte trifft Kunst https://www.computerisierung.com/?p=1222 https://www.computerisierung.com/?p=1222#comments Tue, 16 Jun 2020 17:10:43 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1222 Wie kann ein Dialog von Digitalgeschichte und Kunst aussehen? In ihrem interdisziplinären Gespräch gingen der Potsdamer Künstler Rudi Fischer und Martin Schmitt von der TU-Darmstadt / ZZF Potsdam grundlegenden Themen des Digitalen Zeitalters aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund. Sie sprachen am historischen Ort des ehemaligen Datenverarbeitungszentrums Potsdam über die Diskurse der Digitalisierung, von der Ersetzung des Menschen, über die Überwachung und die Arbeit im Finanzmarktkapitalismus bis hin zu Filterblasen und Informationsströmen. Anlass des Gespräches war die aktuellen Ausstellung „Zeichen der Zeit“ im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum, Potsdam. Im Gespräch entstanden neue Blickwinkel und überraschende Erkenntnisse, beispielsweise zur materiellen Standardisierung des Digitalen.

Text: Martin Schmitt
Video: Rudi Fischer, Container Art Care

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Martin Schmitt schließt erfolgreich seine Dissertation zur „Digitalisierung der Kreditwirtschaft“ ab https://www.computerisierung.com/?p=1153 https://www.computerisierung.com/?p=1153#respond Tue, 17 Mar 2020 16:22:46 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1153 Martin Schmitt hat am 16. März 2020 erfolgreich seine Dissertation „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Computereinsatz in den Sparkassen der Bundesrepublik und DDR, 1957-1991“ an der Universität Potsdam mit magna cum laude verteidigt. Die Betreuer_innen der Arbeit, Prof. Dr. Frank Bösch (ZZF Potsdam) und Martina Heßler (TU Darmstadt) hoben in ihren Gutachten die Pionierarbeit hervor, die Schmitt für die Erforschung der Geschichte der Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft mit großer Akribie geleistet hat. Als Endnote bewerteten sie die Dissertation mit einem guten magna cum laude.

Martin Schmitt gelang es in seiner Dissertation, am Beispiel der Banken und Sparkassen den Verlauf breiterer Digitalisierungsprozesse in der deutschen Wirtschaft seit Mitte der 1950er-Jahre bis zur Wiedervereinigung aufzuzeigen. Er analysierte, warum Sparkassen in beiden deutschen Staaten Computer einsetzten und welche Veränderungen sich in Wechselwirkung von Computertechnik mit dem Bankbetrieb für Mitarbeiter_innen wie Kund_innen ergaben. Während Kreditinstitute anfangs noch mit dem Computereinsatz experimentierten, wurde er seit den 1970er-Jahren für sie unverzichtbar. Einen besonderen Wert legte Martin Schmitt auf Betrachtung von Software als neue Quellegattung, in der Programmierer_innen die Betriebsprozesse der Sparkassen abbildeten. In seiner vergleichend angelegten Studie zeigte Schmitt zudem auf, wie sich die Digitalisierungsprozesse in einem sozialistisch-planwirtschaftlichen und marktwirtschaftlich-kapitalistischen System unterschieden. In beiden deutschen Staaten war die Digitalisierung der Kreditwirtschaft keine lineare Erfolgsgeschichte, veränderte die Institute aber von Grund auf.

Während der Arbeit am Dissertationsprojekt war Martin Schmitt als Doktorand am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam in Abteilung II, „Geschichte des Wirtschaftens“, sowie an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und der Technischen Universität Darmstadt als Wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Seine Dissertation ist eines von vier Teilprojekten des von ZZF-Direktor Frank Bösch geleiteten Projekts „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und DDR“, das im Rahmen des „Leibniz-Wettbewerb“ in der Förderlinie „innovative Vorhaben“ eingeworben und 2014-2017 von der Leibniz-Gemeinschaft finanziert wurde.

Text und Bild: Martin Schmitt

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Die Geschichte der Blockchain https://www.computerisierung.com/?p=1031 https://www.computerisierung.com/?p=1031#respond Sun, 09 Dec 2018 18:08:15 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=1031 Die Technologie der Blockchain verspricht Großartiges: Eine ähnliche Revolution der Digitalisierung wie die Verbreitung des TCP/IP-Protokolls in den 1980er-Jahren, eine so tiefgreifende Veränderung wie die industrielle Revolution. Aber wo liegen die Wurzeln der Technologie, welchem Zeitgeist entspringt sie? Eine grobe Skizze zur Vorgeschichte der Gegenwart im Digitalen. Von Martin Schmitt

Die Funktionsweise der Technologie ist schnell erklärt. Blockchain funktioniert wie ein großes, öffentlich geteiltes Kassenbuch der Buchhaltung, in der verschlüsselte Hinweise auf die Transaktionen verzeichnet sind, beispielsweise von Geld. Das Ziel der dezentralen Verwaltung: Transparenz und die Abschaffung von Intermediären. Kurz: Geld ohne Banken, Nationen ohne Regierungen. Das klingt ganz wie in den 1990er-Jahren, als dies alles bereits das Web versprach.

Ausführlicher erklärt die Funktion der Technologie die neuste Folge von Deutschlandradio Kultur Breitband in einer „hörfunktauglichen szenischen Darstellung“: Technologie zwischen Hype und Hohn (zur Sendung). Im weiteren Verlauf der Talk-Sendung war unter anderem zu erfahren, dass die Bundesregierung nun eine Blockchain-Strategie plant. Das Thema ist jetzt also regierungstauglich und hat damit seinen Zenit im Gartner Hype Cycle sicherlich schon überschritten.

Der Ursprung der Technologie in den 1970er-Jahren

Aufmerksam machte mich aber vor allem der Kommentar des Informatikers und Autors Jürgen Geuter, der auf den Ursprung der Technologie in den 1970er-Jahren verwies. Normalerweise verlaufen solche Debatten oft sehr geschichtsvergessen. Digitalgeschichte kommt nicht vor, denn es ist ja die schöne neue Technologie und alles neu. Hier war es mal anders, blieb aber bei einem Teaser für Eingeweihte. Normal hakt da dann Philipp Banse mit bewundernswerter Chuzpe nach und fordert: „Erklären sie das“. So versteht Digitales auch jeder Hörer. Hier nicht und so machte ich mich auf die Recherche nach den erwähnten Ursprüngen der Blockchain.

Die ersten Treffer in der Suche entsprachen der angedeuteten  Geschichtsvergessenheit der Digitalisierungsdebatte: Da beginnt die Periodisierung der Blockchain mit der heldenhaften Tat Satoshi Nakamotos im Jahr 2008, als er Bitcoin schuf. Immerhin reichte das Gedächtnis der Gegenwart noch zehn Jahre zurück. Weitere Zäsuren stellten technische Entwicklungen wie die Gründung der Tauschbörse Mt.Gox 2009 und die Gründung von Ethereum als Alternativwährung im Jahr 2015 oder die Eurokrise und politische Entwicklungen in Asien in den 2010er-Jahren dar ( hier ein Beispiel aus dem Handelsblatt). Das war aber nicht, was ich suchte.

Also änderte ich die Suchbegriffe und griff auf die Wikipedia zurück. Deren Einträge in Deutsch wie Englisch gehen immerhin bis in die 1990er-Jahre zurück. Da waren es dann die Informatiker Stuart Haber und W. Scott Stornetta, die 1991 eine Theorie „kryptografisch abgesicherten Verkettung einzelner Blöcke“ entwarfen. Weitere männliche Kryptografen und Unternehmer werden erwähnt, die Währungen wie „Bit Gold“ propagierten oder neue Anwendungsbereiche für die Technik vorschlugen – Pioniere vor ihrer Zeit, wie die Rückschau behauptet. Aber auch darum ging es mir nicht, das waren ja nicht die 1970er-Jahre. 

Also ging ich noch einen Schritt zurück und warf einen Blick auf die Informatik-Konzepte hinter der Blockchain: Kryptografie, Merkle-Bäume und Verteilte Datenbankmanagementsysteme. Und da kam ich nun endlich in den 1970er-Jahren an. Ich fand einen Artikel der 1872 gegründeten baskischen Bank BBVA. Ausgerechnet eine Bank, dachte ich mir. Der Artikel trägt einen schmissigen Titel: „From Alan Turing to cyberpunk: the history of blockchain“. Alan Turing kennt ja seit seinem Hollywood-Erfolg jeder. So funktioniert populäre Heldengeschichte der Digitalisierung. 

Entwicklungslinien der Blockchain: Kryptografie, Merkle-Bäume und Verteilte Datenbankmanagementsysteme

Der Artikel selbst war aber erstaunlich gut informiert. Nach der allzu bekannten und wenig reflektierten Geschichte aus Bleachley Park geht der unbekannte Autor zu den 1970er-Jahren über, wo sich die Situation veränderte. Ein Gruppe „Visionäre“ trieb die Forschung zur Kryptographie für die Freiheit der Kommunikation im Kalten Krieg voran und machte die sie daher öffentlich zugänglicher. Visionäre, was auch sonst. Die Rede ist hier von Whitfield Diffie und Martin Hellman, zwei US-amerikanischen Kryptografen. Sie ersonnen 1976 einen Algorithmus, mit dem sich Verschlüsselung in einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel aufteilen und somit Autonomie gewinnen ließ. Mit dem öffentlichen Schlüssel wird verschlüsselt, mit dem privaten entschlüsselt, eine der Grundlagen der Blockchain. 

Etwa zeitgleich warf der Informatiker Ralph Merkle seine Idee der Merkle-Bäume in die Runde, auch Hash-Bäume genannt. Diese hatten nichts mit dem Drogenkonsum der Gegenkultur Nordkaliforniens zu tun, in deren Umfeld Merkle sozialisiert wurde, sondern mit der Datenintegrität. Mit einem Hash-Baum ließ sich sicherstellen, das Daten nicht mehr im Nachhinein verändert werden – eine weitere grundlegende Eigenschaft der Blockchain.

Von hier aus sprang der Artikel der BBVA in die 1990er-Jahre. Die Geschichte der Blockchain ist damit eine der Kryptografie. Dementsprechend tauchen als nächstes die Cypherpunks der 1990er-Jahre auf, die Verschlüsselung als die Lösung allen Übels betrachten. Putzig, mit was sich Banken heute so alles schmücken. Aber Banker sind selten Punks und auch zu Hackern haben sie in der Regel ein eher ambivalentes Verhältnis. Daran wird schnell klar, dass hier wohl einige Erzählstränge auf dem Weg verloren gegangen sein müssen. Zum Beispiel die der libertären Bewegung. Oder die des verteilten Datenbankmanagementsystems. Klingt ja auch längst nicht so cool, wie auch Jürgen Geuter in der Radio-Talkrunde im Deutschlandradio Kultur festhält. Ist aber deutlich näher dran an dem, was Banken so mit IT gemacht haben.

Zur Geschichte der Datenbanktechnologien in den 1970er- und 1980er-Jahren hat der Historiker David Gugerli ein ganz hervorragendes Buch und auch einen Aufsatz geschrieben: Die Welt als Datenbank. Allerdings geht es darin weniger um verteilte Datenbanken, als um relationale Datenbank. Auch wichtig für die Blockchain, aber nicht das übergeordnete Strukturprinzip. Und auch das nicht ganz so hervorragende Buch der Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz „Vom Speicher zum Verteiler“ erlebt hier kein Revival, denn in der Blockchain werden keine Daten gespeichert – eigentlich ja ironisch, dass dies die ganze Welt denkt. Das Thema der verteilten Datenbanken war aber scheinbar noch nicht hip genug, denn weder die Wikipedia, noch baskische Banken interessierten sich bisher für ihre Geschichte, geschweige denn Historiker. Der Reiter „Geschichte“ fehlt im Wikipedia-Eintrag zum Thema verteilte Datenbankenschlicht.

Nur ein paar Informatiker an der TU Berlin interessierte das mal in den 1990er-Jahren. Damals hießen die Dinger noch föderierte Datenbanken, was einen etwas an die föderale Struktur der Bundesrepublik und deren Funktionsprinzipien erinnert – vermutlich auch gar nicht so weit weg von den politischen Ideen hinter der Technologie. Sie stellen in bestem Informatiker-Englisch dar, wie diese Datenbankform sich aus den Informationssystemen der 1970er-Jahre entwickelte, die seinerzeit der neuste Schrei war. Ja, auch die DDR-Banken schrien seinerzeit mit, als es darum ging, die Potentiale der Informationssysteme für die Planoptimierung zu nutzen. Entscheidend sind die Kriterien der Datenbank, welche die Autoren der TU-Berlin ausmachen: Ihre Autonomie, Heterogenität und dass sie verteilt agierten. Alles drei finden wir heute auch in den Blockchains als Referenzsysteme auf solche Datenbanken wieder. 

Desiderate der Geschichte der Blockchain

So weit, so technisch. Eine eingehende historische Untersuchung der Blockchain müsste sich noch stärker mit den sozio-politischen Entwicklungen auseinandersetzen, die in den 1970er-Jahren sich vollzogen: Der wirtschaftliche Strukturbruch. Das Postulat von „small is beautiful“ in verteilten Kleinsystemen gegenüber fortschrittsstrotzenden Großprojekten. Die politische Diversifizierung, die von der libertären Bewegung in den USA und Großbritannien bis zu den sozialen Bewegungen der Bundesrepublik reichte, inklusive dem Misstrauen gegenüber Institutionen und der Betonung lokaler Gemeinschaften. Die Individualisierung. Und sowieso klafft eine große Lücke in all den wunderbaren Geschichten der Blockchain: Warum haben wir es hier wieder mit einer amerikanischen Meistererzählung zu tun? 

Hier wartet noch viel lohnenswerte Arbeit. Die Geschichte der Blockchain zu verstehen hilft dabei, sie in längere Linien einordnen zu können. Sie offenbart, wessen Geistes Kind die Technologie ist. Sie ermöglicht, die gegenwärtigen Debatten informiert zu führen und nicht dem nächsten Hype nachzulaufen. Blockchains kamen nicht aus dem Nichts. 

Text: Martin Schmitt

Bild: Free-Photos, CC0

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Mit offenen Karten: Computerisierung auf ARTE https://www.computerisierung.com/?p=889 https://www.computerisierung.com/?p=889#respond Thu, 19 Apr 2018 11:59:40 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=889 99% des Internetverkehrs werden heutzutage über Unterseekabel abgewickelt. Diese Kabel haben nicht nur eine lange Vorgeschichte, die bis in die Zeit des Kalten Krieges zurückreicht. Sie haben mit der Zeit auch eine strategische Bedeutung gewonnen. Auf ARTE lief in der Sendung „Mit offenen Karten“ am 14. April 2018 eine sehenswerte Doku über die Infrastruktur des Internet. Die Autoren empfehlen am Ende das Buch unseres Projektmitarbeiters Martin Schmitt, „Internet im Kalten Krieg“. In seinem Buch verweist er auf die in der Dokumentation dargestellten langen Linien bis in die Gegenwart. Wir freuen uns sehr über die freundliche Empfehlung. Auch Nicole Starosielskis Buch „The Undersea Network“ hätte die Empfehlung verdient, eine weitere Leseempfehlung für am Thema Interessierte. Die Sendung ist noch bis zum 14. Juni in der ARTE Mediathek abrufbar.

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Neu erschienen: Martin Schmitt – The Code of Banking https://www.computerisierung.com/?p=720 https://www.computerisierung.com/?p=720#respond Mon, 12 Dec 2016 11:24:20 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=720 Oftmals werden wir auf Konferenzen gefragt, ob wir denn schon etwas aus dem Computerisierungs-Projekt veröffentlicht haben, auf dass man sich beziehen könne. Neben dem 2012 erschienen Heft in den Zeithistorischen Forschungen zur Geschichte der Informationsgesellschaft verweisen wir immer auf den programmatischen Artikel von Jürgen Danyel und Annette Schuhmann im Sammelband „Geteilte Geschichte„. Diese Woche kam nun ein weiterer Artikel hinzu, in dem unser Projektmitarbeiter Martin Schmitt den Schwerpunkt seiner Arbeit angeht: Software in Banken. Der Titel des Artikels lautet: „The Code of Banking. Software as the Digitalization of German Savings Banks

In dem Artikel stellt er die These auf, dass deutsche Banken in den 1970er-Jahren zunehmend begannen, ihre Arbeitsprozesse, Abläufe, Einlagen und Organisationsmuster in Software abzubilden. Die bei der Erstellung auftretenden Herausforderungen und die Konsequenzen der Abbildung der Bank in Software stehen daher im Mittelpunkt des bei Springer erschienen Artikels. Er wurde im Rahmen der Konferenz der IFIP Working Group 9.7 im April 2016 in New York. Hier ein Auszug aus dem Abstract:

To the present day the history of banking software is nearly untold. While there is already some literature on the use of computers in the banking industry, most of it focuses only on the hardware and its restrictions (cf. Cortada 2006). The logic behind these machines remains untold. With the advent of the computer as a universal machine since the 1950s, business processes have been written into code, not hard wired into the machine. Furthermore, not the processor but the system software steered what was presented on the screen to the banking employee. Hardware got more and more exchangeable, while the real guiding principles of computing in action are to be found in software. This article analyzes how German savings banks used software to digitalize their business during the period of the Cold War.

Grafik: Terminalbefehl des Datensammelsystems der DDR; Titelbild des Bandes „International communities of invention and innovation“, © Springer 2016.

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Martin Schmitt gewinnt zweiten Preis des Doktorandenforums auf dem Historikertag https://www.computerisierung.com/?p=676 https://www.computerisierung.com/?p=676#respond Wed, 28 Sep 2016 08:54:07 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=676 Beim Posterwettbewerb des Doktorandenforums auf dem 51. Deutschen Historikertag belegte unser Projektmitarbeiter und ZZF-Nachwuchswissenschaftler Martin Schmitt den 2. Platz. Rund 50 Promotionsprojekte wurden im Rahmen des Doktorandenforums ausgestellt.

Martin Schmitt bekommt den 2. Preis des Doktorandenforums auf dem 51. Deutschen Historikertag überreicht.

Martin Schmitt bekommt den 2. Preis des Doktorandenforums auf dem 51. Deutschen Historikertag überreicht. Foto: Frank Bösch

Prämiert wurden das Poster und die Präsentation von Martin Schmitt, der am ZZF Potsdam zum Thema „Die Digitalisierung der Kreditwirtschaft. Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie in den Sparkassen der BRD und der DDR“ promoviert. Die Jury hob lobend hervor, dass es Martin Schmitt mit seinem Poster gelungen sei, ein komplexes Thema wie die Digitalisierung der Kreditwirtschaft auf einfache und anschauliche Art auszudrücken. Das Poster verdeutliche dabei die Träume wie Paradoxien einer bargeldlosen Gesellschaft sowohl in der BRD als auch in der DDR, die kurz vor ihrem Ende innerhalb von 15 Jahren das Bargeld vollständig abschaffen wollten.

Zur vollständigen Meldung des Historikerverbandes: VHD vergibt Preise an Nachwuchswissenschaftler.

Zur Personalseite von Martin Schmitt

 

Text & Bild: Martin Schmitt, Frank Bösch

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Neu erschienen: Martin Schmitt – Internet im Kalten Krieg https://www.computerisierung.com/?p=665 https://www.computerisierung.com/?p=665#respond Mon, 12 Sep 2016 08:10:58 +0000 http://www.computerisierung.com/?p=665 Die Geschichte des Internet erfuhr in den vergangenen Jahren immer wieder prominent Aufmerksamkeit.  Vergangene Woche erschien nun erste Publikation unseres Projektmitarbeiters Martin Schmitt, „Internet im Kalten Krieg“. In dem Buch widmet sich Martin Schmitt der Frage, wie das ARPANET und später das Internet als kybernetische Systeme im Kalten Krieg entwickelt wurden. Das Buch erscheint bei Transcript, hat 250 Seiten und kostet 29,99 Euro.

Titelbild "Internet im Kalten Krieg"

An dieser Stelle berichteten wir bereits einige Male über die Geschichte des Internet. Letzte Woche war es dann soweit: Die Monographie „Internet im Kalten Krieg. Eine Vorgeschichte des globalen Kommunikationsnetzes“ erschien nach umfangreicher Vorarbeit im Transcript-Verlag. Ein Auszug aus dem Klappentext:

Das Internet ist das dominante Kommunikationsmedium des 21. Jahrhunderts. Nicht zuletzt die Ereignisse um die Enthüllungen von Edward Snowden haben gezeigt, dass es sich zu einem Netzwerk der Freiheit wie auch der Überwachung entwickelt hat.
Wo aber liegen seine Ursprünge? Martin Schmitt bietet eine dringend notwendige Neueinordnung der Geschichte des Internet, indem er dessen Entstehung in den USA von 1967-1975 historisiert. Er verdeutlicht, wie das Internet als kybernetisches System im Kalten Krieg zwischen Gegenkultur, Wissenschaft und Militär konzipiert wurde und dass es von Anfang an sowohl emanzipatorische wie auch überwachende Tendenzen bediente.

Zur Verlagsseite: Martin Schmitt – Internet im Kalten Krieg.

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